Lauti

Argosí Augen

Der ungeheure, alles sehende Riese Argos hatte einhundert Augen, von denen jeweils ein Teil schlief, während der Rest wachte. Nachdem Argos getötet worden war, wurden seine einhundert Augen in das Federkleid des Pfaus überführt.

Daher sollte ich mich wohl dankbar zu schätzen wissen dürfen, kürzlich von einem recht energischen, leidlich gutmeinenden Fräulein mit einem Pfauenauge beschenkt worden zu sein. Zwar gelten Pfauen als Symbol für durchaus Erfreuliches wie Schönheit, Reichtum, Liebe und Leidenschaft, doch dummerweise symbolisieren sie auch die allenfalls bedingt wünschenswerte Eigenschaft der Unsterblichkeit, zudem noch allzu Unliebsames wie etwa Arroganz und Eitelkeit.

Bitterlich einsam ist und bleibt unterdes nicht nur eine womöglich zu Recht mit einem solchen Präsent bedachte Prinzessin, sondern ganz gewiss auch die Beschenkende selbst. Freilich wird sich keine von beiden daran zu trösten wissen. Eine andere einsame Person indes weiß wahrhaft Weises – sie weiß zu sterben:

„Niemand ist gern allein. Es zieht einen meist dort hin, wo man vermutet, Intensität zu finden. Sowas lässt einen selbst das Leben überwinden. Für die Umgebenen ist das schwer ersichtlich, weil sie mit ihrem Leben so sehr verwoben sind. Für die Alten ist der Übergang eher auf einer Art von Beschluss ruhend; sie lösen sich los und dann lösen sie sich auf. Regeln und Gesetze bleiben diesseits, Ordnungen und Zusammenhänge werden abgestreift.“