Lauti

Betr.: Heilige Dt. Vereinheitlichung

In Berlins Mitte, dort, wo bis vor kurzem der entwidmete Palast der Republik die magische Spannung einer undefinierten Leerstelle verkörperte, aufersteht das Deutschlandschloss – nationale Insigne und Symbol des Unterfangens, die Folgen und Spuren des Zweiten Welt-
kriegs sowie die Geschichte der DDR – als Teil jener –, zu tilgen. Dies markiert zugleich den Beginn neuer deutscher Totalität.

War der Palast, in welchem das erste frei gewählte Parlament der DDR zusammentrat und den Beitritt zur BRD beschloss, nach Jahren des Leerstands und anschließender künstlerischer Nutzung doch noch zu soetwas wie einem Zentrum der Aufklärung geworden, endete ebendieses Experiment in dessen materiellem Totalverlust. Adieu, Spree-Athen!

Was geblieben ist: Schaudemokratie – und ihre Schauer.

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’s Demokratische Gebot

Den anderen auch mal die Gelegenheit zur Geschichtsklitterung geben.

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Beelzebubscher Buchtipp

Peter-Paul Zahl: Die Erpresser, Berlin 1990.

„Eine böse Komödie: Groß-Deutschland in den Goldenen Neunziger Jahren. Das Reich ist wiedervereinigt, stark, reich, ökologisch orientiert, sozial, „das glücklichste Land der Welt“ – so Momper, Bürgermeister von Berlin zur Zeit des Mauerfalls. Da entführen Unnennbare Dr. Bauer, Präsident der Vereinigten Arbeitgeberverbände... Wie reagiert die KEP, die Kapitalistische Einheitspartei Deutschland?“ Karin Kramer Verlag