Ihr Herz blieb stehen im Kampf
9. Juli 2011Paff Meisi ist tot.
Maria Kwiatkowsky (*1985) war süß, sanft, zauberhaft – zartes Wesen und auch Macker, ließ sie uns teilhaben an undomestizierter Wahn- und Wahrhaftigkeit, an ihren Brüchen, ihrem kochenden Herz; in „torstrasse intim“ wuchs sie sich in meines. Sah ich sie im Film, so fasste ich Hoffnung für das ganze Genre.
Ihre wundersame Eigenförmigkeit tröstete mich über die Kenntnis der ihre und meine Generation überformenden Belanglosigkeit hinweg. Darum wird sie fehlen. Ihre Kunst bildete sie in schillerndsten Farben ab, und als sie vor einigen Jahren „aus privater und beruflicher Frustation“ eine Prenzlberger Kita anzündete, da trat sie aus sich heraus, um ihr Leben zu zeichnen.
Der Ehrwürdigkeit der Schauspielerin Maria Kwiatkowsky tat dies beileibe keinen Abbruch. Sie hatte ein Gesicht, ein zartes, ein sprechendes – so, wie sie es belebte, ließ es die Tiefe ihrer Virtuosität erahnen, sprach es von unvernünftigem, gleichwohl heilsamem Humor, von ihrem forschen Reißen, von reizvollen Rissen in makelloser Schönheit. Dem Leben zu nah gekommen, fand sie sich am Notausgang. Ihr Herz blieb stehen im Kampf.
THROUGH THE LOOKING GLASS
20. Juni 2011Kunstausstellung in der Bar Kosmetiksalon Babette, Karl-Marx-Allee: Ennuyante Exponate, affirmativ, dekorativ, bemüht – viel Schein, wenig Sein, kühle Atmosphäre – kurzum: Business as usual; und dann, plötzlich… something magic. Immerhin.
„Magisches Spiel (Schiefer, Holz, Kreide). Ein Spiel ist ein System aus unveränderlichen Regeln, die für jeden Teilnehmer gleichermaßen gelten. Für gewöhnlich markieren diese Regeln auch den Anfang und das Ende des Spieles. Werden diese Konstanten doch verändert, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Spiel – zwischen Spieler und Spielfigur.“ Martin Maeller
THROUGH THE LOOKING GLASS – Klasse Antje Majewski, Weißensee Kunsthochschule Berlin; Teil 1 mit: Hasan Aksaygin, Bianca Benenti, Charlotte Dualé, Friedrich Herz , Olja Koslova, Kui-Soon, Marie Letkowski, Daniela Macé Rossiter, Martin Maeller, Merlin Ortner, Marco Pezzotta, Johannes Regin, Betti Scholz, Julia Schramm, Maria Torres.
War Songs im Affenhaus
8. Juni 2011Mary Ocher, von Ulrich Gutmair im Magazin Spex als „progressive, kosmopolitische und feministische Bohemienne“ bezeichnetes Individuum, kam in den King Kong Club und weinte erst einmal – noch lang vor ihrem Auftritt, bei dem Mary Ocher mit bisweilen reißender Herzkraft ihre war songs about „war and peace, but also social status, persecution and hints of nationalism and sexual abuse“ darbot und den ganz überwiegenden Teil des gebannten Publikums mit ihrer gleichsam anachronistisch wie avantgardistisch anmutenden Gesamtperformance bezauberte.
Die Berlinerin – geboren in Moskau als Mariya Ocheretianskaya, aufgewachsen in Tel Aviv, „disillusioned by the mainstream industry“ – blieb ganz bei sich, schien dabei mal nah, mal fern und verließ anschließend den Ackerkeller im Affenhaus in zartester Schüchternheit. Hierzu fühlte ich mich sofort analog – und: „So ausgedacht Mary Ochers Künstlerinnenpersona erscheint, so völlig echt ist sie auch. Vermutlich schockiert ihr Auftritt deshalb so: Hier traut sich eine, sie selbst zu sein“ (Gutmair).
Bogenregen
27. Mai 2011Es wechseln die Zeiten
16. Mai 2011Am Freitagabend hatte ich die Ehre, mit Gisela May in der Orangerie Oranienburg eine Strophe aus Brechts Moritat von Mackie Messer singen zu dürfen… a capella… thank YOU, Gisela!
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.
Paul Werner Wagner im Gespräch mit Gisela May.
Eine Veranstaltung der Friedrich-Wolf-Gesellschaft. „Kunst ist Waffe!“ (F. Wolf)
Sie gehört zu den wenigen Frauen, deren Namen man mit der sparsamen Beifügung „die“ verbindet. Frauen, deren Persönlichkeit Geschichte und Kunst gleichermaßen beschreibt: Die Dietrich, Die Weigel, Die Greco und eben Die May. Ihre Interpretation der Brechtsongs setzte Maßstäbe, auf der ganzen Welt sind ihre Schüler anzutreffen. Und im Osten überkommt einen ein Hauch von Überlegenheit, wenn man Gisela May auf der Bühne des Brecht-Theaters in den großen Rollen sah und nicht nur die „Muddi“ der beliebten Fernsehserie „Adelheid und ihre Mörder“.
Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.
Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne
Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.
(Bertolt Brecht)
„Liebs Giselschen, flieg mer net zum Himmel nauf, isch weiß ja net, ob Du wieder nunnerkommscht!“ (Ferdinand May)
Grand Prix der Fahrstuhlgesänge
13. Mai 2011Finanzsenatorin will Prinzessin werden
12. Mai 2011Monoman spontan: Besuch bei Theo und Emilie
10. Mai 2011Vernunft sich ersann . .
Lieber Theodor,
in der Unruh Deiner Ruhestatt,
heut, an Deines Grabes Rand,
da stand und schwankt ich,
dacht hin, dann wieder her –
mit jedem Schwenk trug Es
sich höher, grub sich tiefer,
wog sich schwer – stiller
Verzweiflung heisre Schrei’
sich schrien, bis Vernunft
meiner sich ersann, Deiner
Worte Trost entliehn.
Ostprinzessin, 2011
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Die Frage bleibt
Halte dich still, halte dich stumm,
Nur nicht forschen, warum? warum?
Nur nicht bittre Fragen tauschen,
Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.
Wie es dich auch aufhorchen treibt,
Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.
Theodor Fontane, 1888
Man beachte auch die Analogie bzgl. sich gegenübersitzender Dichter/Engelswesen.
Mystisch: Raum-Zeit-Kontinuum-Spalte, vormals ‚Himmlischer Pfad‘.
2. Mai: Hurra, ich lebe noch
2. Mai 2011Nachdem ich gestern den Schleier gelüftet, die rosarote Brille abgesetzt und meinem Staat ganz tief ins polizeiliche Auge gesehen hatte, da war ich plötzlich richtig verliebt – verliebt in den Gedanken, ohne ihn zu leben. Weitere Konsequenzen: Ich benötigte dringend einen Zauberstab, zwei Wasserwerfer und mindestens drei Wochen Kur. Eigentlich.
Für die ganz gewiss notwendigste Angstsituation meines bisherigen Daseins habe ich den paramilitärischen Einheiten unseres ach wunderschönen, aber seit jeher hässlich interpretierten Landes meinen tiefsten Dank auszusprechen. Denn Angst löst bei mir Schrei(b)blockaden. Ha ha, kleiner Scherz.
Plötzlich eingepfercht – vorne zu, hinten zu, Seiten zu, viel zu viele Menschen auf viel zu engem Raum – und von in Panik vor gepanzerter Gewalt und Gas fliehenden Hunderten an eine Hausfassade gedrängt zu werden, ist ein kollektives Vergnügen der Extraklasse, das sowohl einem beginnenden Wonnemonat als auch wirklich jeder Prä-, Post- und sonstigen Demokratie anno 2011 vollkommen angemessen und verhältnismäßig erscheint. Dann von kraftstrotzenden Robocops noch etwas fester mit den bislang ahnungslosen Anderen zusammengepresst zu werden – Atmen, by the way, wurde zur Glückssache -, überstieg selbst die Erwartungen der mitgefangenen Veteraninnen und Hartgesottenen; und das ist auch gut so, denn wer ist nicht gern mal überrascht!
Panisch aus der Menge gekämpft, so umsichtig wie möglich und so zupackend wie nötig, schließlich an Kesselrand und Polizeisperre angekommen, schallt es mir entgegen: „Vorne raus!“ Immerhin, die Staatsmacht hat Humor. Da hilft nur eins: Sich Flügel wachsen lassen. Syrien ist näher als man denkt.
Ostprinzessin
Auf dem Mariannenplatz: Gerlinde Schermer (SPD), Harald Wolf (LINKE)
Was ein Buhei: Ganz Berlin liebt den Kapitalismus, liebt die Polizei.
Chaos ordnet Struktur
29. April 2011Im temporär bebilderten, abgedunkelten Schiff der Emmaus-Kirche in Kreuzberg, vor immerhin zwanzig Gästen – ein gelingendes Konzert voller Muße, Weile, Lebensklang, mal sanft, mal brausend und immer einer modernen Freistilmusik verpflichtet, in namhafter Qualität: Mit Weltrekordler Artus Unival, Klangkomponist Marten Mühlenstein, Sax- und Flötenfachkraft Susanne Bätz, Bassveteran Hartwig Nickola, Trommelpoet Uli Moritz, Bewegungs- und Stimmvirtuosin Monika Lilleike, Paul Schwingenschlögl u. v. a.!
Konzert: AYA fraystyl musyk meets STEVE REICH “18 plus”.
struktur ist – chaos trifft auf struktur – struktur stört chaos – chaos ordnet struktur – und nun ?! chaos stört struktur – struktur ordnet chaos – und nun ?! chaos traf auf struktur und ging … – struktur blieb. da capo al fine … sine fine … wir tanzen den lebenstanz, singen das lebenslied, spielen das lebensspiel – ewiger walzer … – und wir sind … hier.
No passion at all: Johannes-Passion
22. April 2011Boa
5. April 2011„Betancor mit ‚Stellt vor‘“ (Cora F.)
2. April 2011Ein vollbesetzter Abend in der Berliner Kabarett Anstalt, mit zwei exzellenten Musikern, einer schwer erkälteten, gleichsam warmherzigen Gastgeberin Susanne Betancor, einem jedes Kalt zum Schmelzen bringenden Frost, der einen seiner neuen poetisch wie melodisch ausgesprochen glückenden Songs vorstellt, und einer Maria Kamutzki, die zur Zeit sich selbst – jenseits von HARNDORF – eine Fehlbesetzung ist.
Mit einem sympathisch nervösen, aber bisslosen Ü-Gast Maren Kroymann und der Blümchen reichenden Zazie de Paris.
Betancor stellt vor
In der zweiten Ausgabe von Betancor stellt vor,
kann Betancor sich vorstellen, ein tolles Konzept
durchzuspielen: FOF – Frau ohne Funktion:
Alle Welt reißt sich darum, keine Quotenfrau
zu sein und Betancor ist begeistert: Niemals
Quotenfrau und auch nicht das Gegenteil.
Entziehung! Wer was tut nicht gut. FOF! lautet
das Motto für einen spritzigen Themenabend
in Liedern und Sätzen und Betancor freut sich
auf Gleichgesinnte: Rechnen kann man mit der
Songschreibersängerin, Anti – Standup – Aktivistin
und grossen Theoretikerin HARNDORF und der
unvergleichlichen Sängerin, Dichterin und famosen
Obdachlosen CORA FROST.
Zu Dritt werden sich diese drei durch den Abend
führen und NATÜRLICH kommt bestimmt wieder
herrlicher Überraschungsgast.
Wen ich gern mal in den Arm nehmen würde
30. März 2011Jutta Gerta Armgard von Ditfurth.
„Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die Grünen“ (Jutta Ditfurth)



















