Ein Ton wie tausendundein Prozent

13 Jahre ist es her länger nicht , da vernahm ich den schönsten jemals gehörten Ton. Er schwang durch den Äther, ein paar Meter von der Bühne herüber zu mir. Der Mund weit geöffnet, Lippen und Gesicht unter Spannung, der Blick jenseitig und doch ganz hier, das Zäpfchen vibrierend, unendlicher Atem.
 
71 Jahre alt war der Mensch jünger nicht , der ihn formte, der ihn nahm vom Göttlichen, nein Menschlichen, obschon Unglaublichen; Herztönenannte ich das, ein Wunder, das man nicht glaubt, Liebe als Ton, der einem die Sinne schenkt und gleichermaßen raubt, wie ein langes Gähnen, und alles kam und alles wich, damals dort in Bremen.
 
60 Jahre Singen im Licht der ganzen Welt weniger nicht , von, über, mit und immer für die Liebe, einerlei, wer es ist, der liebt, und wen, unverstärkt, ohne andere Technik als der eigenen, auf keinen Sampler, keine Aufnahme je gebannt, nur für diesen Moment; 31.000 Tage Leben und ein Ton wie tausendundein Prozent.
 
Heute Nacht ist Montserrat Caballé für immer und niemals verstummt. Was von ihr bleibt, ist bunt. Rest in peace, Montsi.

„Der Freischütz“ – ein Abschuss

Die Deutsche Oper machte vor ein paar Monaten Schlagzeilen mit der Neuinszenierung von „Idomeneo“ und der daraus resultierenden Anschlagsdrohung gegen das Opernhaus. Das Spektakel um diese Situation wurde maßlos hochgekocht; die Deutsche Oper sonnte sich in zweifelhaftem Ruhm. Immerhin barg diese Aufmerksamkeit die Chance, dem interessierten Publikum in der Folgezeit großartige Inszenierungen zu offerieren, welche die Qualitäten der Deutschen Oper aufzeigen könnten. Doch welche Qualitäten eigentlich?

Die Inszenierung von „Der Freischütz“ jedenfalls vermag allenfalls zu langweilen, ja wenn nicht gar zu quälen. Gleich mehrfach drängt sich der Eindruck auf, dass die Geschichte in einer eindimensionalen Art verbraten wird. Zudem herrscht über weite Teile der Inszenierung dieser 185 Jahre alten sogenannten Volksoper eine Atmosphäre der volkstümlichen Belanglosigkeit. An die Bühnenwände wurden ringsherum allerlei Poster geklebt. Aber wozu? Sie wirken poppig, dienen allein als Staffage, ohne jeden Zusammenhang oder tiefere Bedeutung. Die gesamte Licht- und Bühnentechnik wird nahezu beliebig angewandt und markiert die faden Höhepunkte einer an sich faden Story.

Als dann im zweiten Teil eine Unmenge an Rehen auf die Bühne herunterhängen, drängt sich abermals die Frage auf: Wozu? Ja wir haben verstanden. Es könnte sich hierbei um eine Parallele zu wagemutigen Inszenierungen an der Volksbühne handeln, aber leider nur um eine laue Variante, denn weiter geschieht hier nichts. Die Rehe hängen umher und die teilweise sogar großartigen Sängerinnen und Sänger singen ihre Passagen. Daran ist nichts neu und nichts besser.

Wozu also überhaupt diese Inszenierung? Die Deutsche Oper zeigt sich hier ambitionslos, altbacken und uninspiriert. Erwartungsgemäß gefällt dies Vielen – ein Symptom unserer Zeit: Der Stillstand gesellschaftlicher Entwicklung. Traurig!

Der Freischütz

Der Barbier von Sevilla

Opern sind einfach nicht so mein Ding.

Diese moderne Inszenierung der Komischen Oper, in der Optik der 1960er Jahre, mit einer Hauptdarstellerin, die Fran Drescher (Die Nanny) zum Verwechseln ähnlich sieht, kann jedoch unerwartete Akzente setzen und den alten Opernstoff vom Modergeruch befreien. Weiter so!

Der Barbier von Sevilla Der Barbier von Sevilla Komische Oper in zwei Akten Erster Akt Zweiter Akt