Lauti

Da war doch was, da ist doch was - da wird doch was sein?

Ich fühle mich verloren. Zwölfhundert Schritte später stehe ich in der U-Bahn nach Tegel. An der Afrikanischen Straße im Wedding steige ich aus, irre durch eine triste Wohnsiedlung, hinein nach Reinickendorf, und treffe auf militärisches Sperrgebiet. Achtung, Schusswaffengebrauch! Einen Moment lang spiele ich mit dem Gedanken, es zu versuchen. Doch immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her – in diesem Fall das eines Einkaufszentrums, kaum hundert Meter entfernt. Ich streife durch einen Baumarkt; meine Anwesenheit wird nur von den Kameras bemerkt. Ich mag es, beobachtet zu werden. Draußen bewege ich mich auf schmalem Grad, vorbei an drei Meter hoch gestapelten Stiefmütterchen, an einer Tankstelle entlang. In mein rechtes Ohr dringen Staubsaugerdüsen, das Ausklopfen von Fußmatten und Verkehrslärm. Nur noch die Triebwerke der über mir zur Landung ansetzenden Flugmaschinen übertönen das automobile Konzert. Benzingeruch steigt mir in die Nase. Der Geruch frischer Waffeln ist fern. Ich biege um eine Ecke, um dann um die nächste zu biegen – bewege ich mich im Kreis? In der Gotthardstraße entdecke ich eine Bushaltestelle; über ihr kommt zusammen, was zusammengehört: Einflugschneise und Durchgangsverkehr – woher, wohin, ja wer weiß das schon! An beiden Seiten befinden sich Friedhöfe. Ich setze mich ins Wartehäuschen und warte auf das Glück. Dann beschließe ich, den Bus nach Frohnau zu nehmen, um zu sterben. Zwanzig Minuten lang warte ich, bis ein Bus kommt. Er fährt vorbei. Bin ich denn unsichtbar? Lebe ich wirklich?