Das Angstkomp(l)ott
Angst haben wir alle mal, auch ich. Angst ist wichtig, denn sie zeigt Gefahren an. Das jedoch, was eine Horde reaktionärer Profis in den Fernseh-, Radio-, Print- und Internetmedien uns Tag für Tag zusammenkocht und dann – geradezu in Angstekstase versetzt – sich und dem hungrig gemachten Publikum zum Auslöffeln serviert, das ist einfach nur ärgerlich und ungenießbar.
Das Angstmenü aus Angstsuppe, Angstklößen mit Angstsoße und Angst-kompott zum Nachtisch ist beschämend – beschämend für jeden auch nur halbwegs aufgeklärten Mensch, der es leid wird, immer und im- mer wieder in peinlichster Art hysterisiert zu werden. So durch-sichtig wie nötigend ist dies, denn um tatsächlich beängstigende Entwicklungen geht es in jenen Medien freilich allenfalls am Ran- de. Das „ständig unterm Wert geschätzte“ Publikum, wie die Wiener Sängerin Gustav es vielmeinend besingt, ist eh immer dumm. Es ver- trägt alles nur in kleinsten Portiönchen, doch mit drei Zutaten kann es niemals genügend gefüttert werden: Angst, Angst und Angst.
Angstthemen tauchen auf, ganz plötzlich, wie aus dem Nichts he- raus, werden zum Aufhänger, kursieren dann eine Weile, bis die Angstzitrone schließlich ausgequetscht auf dem Medienkompost lan- det und dort zum Humus für neue Angstanpflanzungen vergärt. Wenn Medienmachen so funktioniert, dann will ich keine Medien machen! Sollte ich Euch oder Ihnen jemals derartige – mit Verlaub – Angst-scheiße servieren, dann habt Ihr und dann haben bitte auch Sie den Schneid: Jagt mich aus der Stadt! Hinfort mit mir!

