Lauti

In Sternenarmen

Esther, mein Kind, was führte dich in jenes Land,
in diesen zugigen Winkel des Universums,
fern jeder Heimat? Es muss ein böser Wille sein.
Amos! Dein Schweigen bricht ihr das Herz.
Seht herauf, wo kein Erbarmen ist!

Schlag dich, gegen den Schmerz,
für Erinnerung, schlag zu, fester,
gegen das Vergessen, für Widerhall.
Du trittst an die Stufen der Mission,
durchschreitest die unbewachten Tore
zu den Gehegen deiner Ängste –
heimwärts, fremder Heimat entgegen.
Gleichmut betrügt, das Ärgste nur
ist Höchstem nah gewesen, darin
erfuhr es seine Größe. Doch trägt
der Himmel nicht, den du erfliegst,
sobald die Engel dich berufen
und deine Träume Schatten werfen.
Wer nicht fällt, der wirft sich,
wird geworfen ein wahrer Held
geworden sein; im Flug noch trug er
alle Namen. Balle dich, dann wirf
– ein Name genügt –, Wahrheit kennt
sich, ihr Thron steht schwerelos,
wo du liegst in Sternenarmen.

Reichten sie weit genug – hinab
in die Täler der Ungläubigen, unter
die Haut, in die sich leerenden Adern
der Selbstentleibten, hinauf zu
den Gipfeln abgekämpfter Stürmer,
hinaus zu den geheiligten Lügen
der Unfehlbaren, grauen Verstecken
im Elfenbeinstaub, und hinein
in die Paläste einsamer Potentaten,
Artefakte der Verzweiflung, umsäumt
jäh verwaister Stuben namenloser
Untertanen, inmitten stummen Schreis,
Betäubung und Gehorsam, erlösendem
Zerfall anheim gegeben, im dichten,
süßen Ascheregen brennender Leiber,
der sich legt, über geebnetes Land,
in seine Erde unter den Nägeln
jüngst Gehäuteter –, tröstend
sie umschlössen alles Liebende
und weihten es ihrer Konfession.