Intermezzo
(Teil 1 der Trilogie What about destruction?)
Unreflektierte Lebenslust ist eine Gnade. Die lebendigsten Toten unter uns verwirken diese Gnade. Leid und Frust prasseln auf sie hernieder. Jenseits einer Welt der Hoffnungen und Verderbnisse le- ben wir in einer Virtualitätswüste. Die Aufgewachteren unter uns Schlummersüchtigen wehren sich mit Geistesblitzen und Schönmale- reien gegen das Ausdürren ihrer Sinne. Und wir haben das Wachstum. Was ganz besonders wächst, ist die Armut, Allem voran die geisti- ge.
Leer und verkommen: Die Politik- und die Wirtschaftselite, mein Nachbar und ich selbst – wir Alle können uns nicht freisprechen. Das Unheil, das wir über Andere bringen, das wir der Welt immer- fort vererben, es scheint uns Menschen innezuwohnen.
Tausende von Jahren verstreichen, unsere Probezeit läuft ab, doch wir schaffen es nicht, uns zu befreien – zu befreien von der Matrix der Zweigeschlechtlichkeit und zu befreien von der Last des Tabus, der Endlichkeit unseres Seins auf gleicher Augenhöhe zu be- gegnen wie zuvor dem Leben, oder dem, was wir – schamlos und an- maßend – dafür halten wollten. Zwar ergötzen wir uns sattsam an der verführerischen Kraft jeglicher Wüstenblüte, doch Frohsinn und Heiterkeit – vor trügerischer Kulisse – verderben zu bitterer Sinnleere. Allein: Wir bleiben uns aller Einsicht schuldig.
Leben: Wir kommen hier Alle nicht lebend raus. Wir sind von Beginn an dem Tode geweiht. Mancher ist tot und weiß es nicht. Unser Zu- friedensein ist Totsein. Moribund geht die Welt zu Grund', sexy obendrein. Und immer wieder: Wir sind so leer und so verkommen! Planet der Laffen – eine Wüstenei! Mit der Tiefe der Seele wachsen auch Sehnsucht und Schmerz. Aber wozu!? Am Ende stehen wir so nackt da wie am Anfang.
Sie öffnete ihre Bluse, um ihr einsames Herz zu zeigen. Im moras- tigen Elend ihres Daseins: Ihr Blut tropft schwer wie Blei in den Landwehrkanal und versinkt dort neben ihren Träumen vom Glück.

