Lauti

Mahnmaleuphorie und Volksverhetzung

Die Berliner Stadtmitte soll weitere Denkmäler und Gedenkstätten von sogenanntem nationalen Rang erhalten. CSU-Politiker Hartmut Koschyk schlägt einen „Ort der Trauer und des Gedenkens für die Opfer des Terrors” der Rote Armee Fraktion (RAF) vor. Er solle als Mahnmal gegen Gewalt dienen. Zudem dringen die Koalitionsfraktionen auf die Errichtung eines Denkmals der „Freiheit und Einheit Deutschlands”, das an die „Wiedervereinigung von 1989“ sowie an die „Einheitsbewegungen der vergangenen Jahrhunderte” erinnern solle.

Ich fordere fairen Wettbewerb! In das RAF-Mahnmal sollte ein Hinweis integriert werden, der auf die vom Nationalsozialismus geprägten Strukturen damaliger Gesellschaftseliten verweist und auf deren heutige Erben. Auch sollten Hinweise auf den Völkermord in Vietnam und mindestens ein adäquater Verweis auf jene massive Einschränkung der Menschenrechte, die in Recht und Gesetz – z. B. bei der Verteidigung von Angeklagten, während Knastaufenthalten und bei Ermittlungen von Polizei, Staats- und Verfassungsschutzbehörden – seit den 70er Jahren fortbesteht und ihrerseits Mittel des Terrors darstellt, nicht fehlen.

Als adäquates Pendant zum RAF-Mahnmal könnte ich mir auch gut die Errichtung von Mahnmalen für die Opfer des Kapitalismus vorstellen, vorzugsweise in den hübschen Villenvierteln aller deutschen Städte, sodass sie den Verursachern unter den Betroffenen gemahnen. Angemessen wäre auch ein Mahnmal für die Geschädigten der Parteiendemokratie, vielleicht gleich direkt vor dem Bundestag. Nicht vergessen sollte man auch die gegenwärtig beschämensten Opfer: Seit der durch SPD und GRÜNE erreichten Abschaffung der bedingungslosen Sozialhilfe für alle, die nicht über Einkommen und Vermögen verfügen, ist nicht mal mehr ein Mindestmaß an gesetzlicher Humanität existent.

Ich wünsche mir aktive Mahnmale jenseits ihrer Alibifunktion. Das schüchterne Betonguckkastenmahnmal für die verfolgten und ermorderten Homosexuellen, das vielsagend einsam auf einer Lichtung am Rande des Berliner Tiergartens steht, ist daher eine fragwürdige Errungenschaft. Vielmehr sollten mobile Mahnmale zum Einsatz gebracht werden, welche die systematisch-strukturelle Herabwürdigung und das weitreichende Verschweigen homophiler Menschen thematisieren. Fernerhin sollten an sämtlichen Straßenecken Mahnmale geschaffen werden, die beharrlich an die Verweigerung bedingungsfreier Existenzsicherung erinnern.

Denkmäler, deren Aufgabe es ist, Unrecht zu verleugnen oder Regentschaft zu verherrlichen, sollten mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht und daher von Taubengehegen umschlossen werden.

Haben auch Sie, habt auch Ihr eine Mahnmal-Idee?