Lauti

Meeting Marlene: Bei Hofe einer Heiligen

Verehrte Marlene!

Als ich – das betörend sonore Rauschen der nah gelegenen Stadtautobahn im gequälten Sinn – an Deinem Hofe einzog, da posiertest Du gerade für Fotoaufnahmen, zwei fesche Gesellen Dir zuseiten, bereit, Deiner zu beehren für einen winz’gen Hauch nur vom glühend’ Schweif ew’gen Leuchtelichts, den zu erhaschen sie hofften. Du erbarmtest Dich ihrer, unfreiwillig zwar, obschon in jenem unbändigen Elan einer Patronin, der Deine Person auszuzeichnen geleistete.

Doch was wollten sie andres tun! Das Fitnessstudio war geschlossen, infolge einer Überfüllung, die Szenebars hatten noch nicht geöffnet und die nächstgelegenen Shoppingcenter waren ausgerechnet jetzt zur „Lange Woche der Wahren Werte“ verschworen worden – unsexy! Somit blieb allein sie übrig: die statusschmeichelnde Aufwartung.

Während ich die expandierende Fadheit solch törichten Verlangens vermittels bezaubernder Langeweile vertrieb, in stiller Gesellschaft Deiner Nachbarn Dr. Salem und Elfriede Akbari-Baghbadarani, da beschlichen mich Zweifel am Motiv meines Gastspiels. Marlene, I think you did the right thing at the right time! That is all I wanted to tell.

Nirgendwo auf dem Friedhofsmeer findet sich eine ruhige Bucht. Die Leute, jung wie alt, sie alle sprechen laut. Motorräder knattern über den Südwestkorso und das schrille Kreischen ungeölter Räder in die Jahre gekommener Gehwägelchen legt sich über das Flüstern heiser gewordener Engelschöre. Ein Clochard, wohnhaft auf einer der Parkbänke, nutzt dankbar jede sich ihm neigende Gelegenheit zum Monolog. Seine Kunde vom grassierenden Engelklau überfällt Nichtsahnende, dreckiges Lachen übertönt das Geplauder der Passanten.

Was fehlte: Eine Einflugschneise.

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„Außerdem glaube ich auch nicht an eine höhere Macht,
oder die höhere Macht ist meschugge.“ Marlene Dietrich, 1982