Lauti

Muss i denn zum Städtele hinaus?

Verdrängung und Vertreibung sind längst Teil des Berliner Alltags geworden. Betroffen sind immer wieder auch bedeutende Projekte die Berlin als außergewöhnliche Metropole prägen – als auffällig beseelten Ort, welcher seiner Bevölkerung und ihren Gästen einige bemerkenswert urbane Räume bietet.

Doch Kultur ganz ohne oder mit nur geringem kommerziellen Anspruch wird von neoliberalisierter Politik nicht gewollt und ist nach vorherrschender Marktlogik unerwünscht. Daher wird sie auf vielerlei Art bekämpft, und dies, obwohl bzw. gerade weil sich ihre Angebote starker Nachfrage erfreuen und Berlin ohne Projekte jenseits des Mainstreams eine Stadt wie jede andere zu sein droht. Kein Stein bleibt mehr auf dem anderen, sobald Rendite lockt. „Gold blitzt auf in den Augen der Mächtigsten der Mächtigen, schon werden Ränke geschmiedet und Profite verteilt. Die Bagger stehen bereit“,* ebenso wie Polizei und Armee.

Weckt mich dies nun auf oder lähmt es mich?

„Zur Rettung Berlins bleibt nur wenig Zeit und ein paar Irre“,* die sich zwischen Schizophrenie, Sport und Leistungsdruck nun auch noch mit Gerechtigkeit herumschlagen müssen. Wer allerdings auf die Straße geht und diese einfordert, wird sich wundern – so wie der kleine Timor, dessen Mutter ihn und seine Geschwister zur Demonstration anlässlich der illustren Eröffnung der O2 World mitgenommen hatte: „Mama, was machen denn die ganzen Soldaten hier?“ Wen Timor tatsächlich vor sich sah: Einheiten der Polizei.

Einmal mehr „kämpfte“ dort unsere bunte Clownarmee gegen schwarz-rot-goldne Vormundschaft und grünfarben Uniformierte – und als es dann immer enger wurde und die Luft zu brennen begann, da standen unweit von mir zwei Frauen und sprachen leis: „Oh, oh, oh ... aber der rote Hut wird uns beschützen ...“

*„miau.wuff.bang.bang“, TIK Theater im Kino, Berlin