Lauti

Neues aus der (Bad-) Anstalt

Vom gelegentlichen Besuch eines öffentlichen Schwimmbads ist aus vielerlei Hinsicht nicht abzuraten; ob zur Körperertüchtigung oder -hygiene, aus unstillbarer Lust am Planschen oder zwecks geselliger Zusammenkunft am urbanen Meeresimitat – ein Aufenthalt im Bad ist seit jeher Ausweis menschlicher Kultur. So beschloss auch ich, mein Quietscheentchen in eines der bauhistorisch nicht unbedeutsamen, auf märkischem Sand erbauten Stadtbäder auszuführen. Meiner kulturgeschichtlichen Erschließung offenbarten sich dort jedoch weniger die Freuden jener Lebensart als vielmehr die evolutionär unwirksamen Jahrhunderte männlicher Sozialisation.

In den Gemeinschaftduschen der städtischen Schwimmbäder lauern ganze Horden unbefriedigter Testosteronmonster, die den übrigen Badegästen ihre ausgerollten Schwänze derart penetrant vor die Füße werfen, dass einem das Chlor in den Adern gefrieren möchte. Was in früheren Zeiten als archaisches Brauchtum durchgehen mochte, generiert sich mittlerweile als selbstbesessenes Ritual geistig offenbar zu kurz Gekommener. Die dumpfe, leidenschaftslose Geilheit, die sich ebenso in den Gesichtern wie in den Badehosen der Betroffenen abzeichnet, beleidigt die Sinne eines jeden anständigen Lüstlings, und noch dem standhaftesten Erotiker unter jenen Beleidigten blutet dann der Zipfel aus.. Was nur denken sich die mannstollen Manndarsteller dabei? Nun denn, wir ahnen es.

Wer ins Schwimmbad geht, möchte schwimmen, sollte man meinen, und zwar nicht in der Notgeilheit der anderen, sondern in schlichtem H2O plus Chlor. Der heiteren Penisparade aber ist mit solcher Binsenweisheit nicht beizukommen. Kurze, lange, schiefe oder grade, mit Mantel oder ohne, fleischig, sehnig, pilzförmig, baumelnd, schwellend oder voll durchblutet – zeig mir deine Flöte und ich sag dir, was du spielst. Zeig dich, kleiner Schwengel, tu dich nicht schüchtern, fordere dein Recht! Wer schamhaft dir begegnet, hat dein Vorrecht ohne Sympathie ermessen. Im Umkleidebereich geht das Spiel dann munter weiter. Um jede Sekunde auf dem Präsentierteller wird gerungen, das Bekleiden der primären Geschlechtsmerkmale künstlich verzögert, um auch dem Sehschwächsten unter den Mitmännern einen ausgiebigen Blick auf all die patriarchale Pracht zu ermöglichen. Wer sich der Fantasie hingibt, den stolzen, aber würdebedürftigen Schwanzbesitzern sein ausführliches „Nein danke“ zur steten Erinnerung auf den Handrücken zu tätowieren, gehört schon so gut wie dazu. Donnernder Mannhaftigkeit wird damit jedoch nicht beizukommen sein. Sie wird auch das Zeitalter der Metrosexualität unbeschadet überdauern.

Schwimmengehen wird somit unweigerlich zu einem „soziales Erlebnis“ der ganz besonderen Art. Daher sei nur denen, die der traurigen Realität allgegenwärtiger leerer Blicke – ob draußen, auf Arbeit, in der Uni, in der Bahn, auf Party oder im eigenen Bekanntenkreis – noch nicht ausreichend überdrüssig geworden sind, der Besuch eines jener entglückenden Unheilbäder vorbehaltlos zu empfehlen. Als Wassermann sage ich: Es gibt tiefere Wasser, wärmere auch.