Lauti

Schicksalsverlangen

Wir alle sind Gefangene, eingeschlossen in Existenz,
verbannt aus Ewigkeit für einen Moment nur davon;
noch wenn wir das Gefängnis öffnen, wenn Besucher
wir empfangen, wenn wir Ketten abstreifen, die sich
an uns legen – ob wir sie schließen oder andren spannen,
ob sie zerspringen oder sich um unsere Hälse schlingen –
Freiheit wird immer endlich sein und immer ewig.

Jene Kerker sind die einzige Gerechtigkeit, die uns widerfährt,
alleinige Einmaligkeit, erster und letzter Grund im freien Fall;
wir hängen an schwachen Fäden, verbunden miteinander,
hinab vom unsichtbaren Gewölbe, das uns überstrebt,
alsbald fallend in Raum und Zeit, entwunden und gebannt,
überkommen aller Sehnsucht, verunglückt ins Dasein,
verwahrt in Irrtümern, die uns bergen aus Einsamkeit.

Wenn die Engel uns sehen, da sie unserem Hoffen hören,
wenn zitternde Glieder sie greifen, die wir nach ihnen strecken,
werden ihre Tränen das Tor aufschließen, welches vor uns liegt;
wir schlagen unser Lager auf am Fuße der Träumetrümmer,
die sich vor uns ragen, geschichtet in warmen Farben des Glücks,
das am schroffen Fels unserer einsam schwarzen Strände brandet;
erste Schritte in die Schwärze werden auch die letzten sein.