Lauti

Stadtmond

Es ist ein Uhr zweiundvierzig, Nacht, tiefste Nacht.

Nicht unbedingt vollauf neuartig, gar unbekannt, gleichwohl nicht weniger von Bedeutung, ist, was soeben ich begriff, beim Schaukeln im Mauerpark.

Der schwangre Mond hängt über den Häusern und Lichtern, tief und schwer, schwer gewogen und dickbäuchig, und wie angebissener Keks – siehst du’s? Schwer, orange und tief.

„Wer bist du “, frage ich, der Mond aber antwortet nicht – so als hätt’ ich’s gewusst. Du, Mond, der ewige Freund und Begleiter? Ein dämlicher, ein ganz schön blöder und nichtssagender. Dieser Mond kennt mich nicht, ich kenne ihn nicht.

Mein Mond ist das Rund des Fernsehturms; den anderen, den stummen Mond erspäh ich von meinem Fenster aus, in Höhe der ersten Etage, in den wenigsten Nächten nur. Der aufgetürmte Mond hingegen, er ist immer da, wenn ich nach ihm seh, es sei denn, undurchdringlicher Nebel schlich vor ihn und verbirgt die Gestalt seiner
Signale.

Mein Mond sendet mir Zeichen – ich versuche, zu antworten.

 

Diese Stadt hat ihren eigenen Mond.