Lauti

Stadtmond

Ein Uhr und zweiundvierzig. Nacht, tiefe Nacht.

Nicht unbedingt ganz und gar neuartig, aber dennoch nicht weniger von Bedeutung, ist das, was ich soeben – beim Schaukeln im Mauer-
park – endlich begriff.

Der Mond hängt dort hinten, tief und schwer und schwer und tief und wie ein angebissener Keks – angebissen, schwer und dickbäuchig – kannst Du's sehen? Schwer und orange und tief. „Wer bist Du?“, frage ich, der Mond aber antwortet nicht. Als hätt' ich's nicht gewusst! So ein dämlicher Mond! Ein ganz schön blöder Mond! Ewiger Freund und Begleiter? Pah! Dieser Mond kennt mich nicht und ich kenne ihn nicht. Mein Mond ist das Rund des Fernsehturms – jawohl! Den anderen, stummen Mond kann ich von meinem Fenster aus – in Höhe der ersten Etage – nur in den wenigsten Nächten tatsächlich sehen. Mein Mond jedoch, der ist immer da, wenn ich nach ihm sehe, es sei denn, tiefer, dichter Nebel schleicht sich vor ihn. Mein Mond sendet mir Zeichen. Ich versuche, zu antworten.

Diese Stadt hat ihren eigenen Mond.