Lauti

Tumultikulti

Hast du Problem, Alter?

„An manchen Tagen hat man das Gefühl, gar nicht mehr in Deutschland zu sein.“ In diesen Worten schilderte mir ein in der 70er Jahren zur Welt gekommener Mann den impliziten Nachteil seines Wohnortes im Westen der Stadt Berlin. Er tat dies unaufgefordert und fügte noch mit einiger Erleichterung hinzu, dass er nun bald mit seinem Freund im Prenzlauer Berg zusammenziehen werde.

„Deutsche“ hätten ein Identitätsproblem, „Ausländer“ und „Migranten“ hätten sich zu integrieren. Mit solcherlei Weisheiten werden wir seit Jahren und Jahrzehnten bespamt. Demgegenüber schließt eine Philosophie der Freiheit aus, alles und jeden integrieren zu wollen, zu sollen, zu müssen. Woher also stammt das regelrecht zwanghafte Streben nach Integration und ethnischer Identität?

Wer glücklich sein will und dabei andere glücklich machen möchte, der muss zunächst einmal lernen, sein Ich in das eigene Sein zu integrieren. Dafür aber ist es notwendig, dem Leben Sinn zu verleihen. Was jedoch hierzulande unseren Sinnen angedient und zugemutet wird, das stiftet allzu oft nur eines, Unsinn nämlich. Wir entfremden uns mehr und mehr von uns selbst und treiben dabei auf den süßlichen Kaugummiblasen belangloser Eventkultur wie auf einer Wolke des Selbstverderbens. Ist nicht dies unser eigentliches Identitätsproblem?