Lauti

Wahrheit

Wahrheit spricht, ruhig und gelassen, und wenn sie sich herausgefordert sieht, dann jault und dann kläfft sie auch, sie bricht sich Bahn – ohne Maulkorb, ohne Leine und ohne Aufforderung. Sie lässt sich nicht biegen, nicht strecken und auch nicht instrumentalisieren, denn sie ist einfach nur.

Wahrheit kennt keine andere Definitionsmacht als die ihr innewohnende und gerät ihrerseits niemals in den Verdacht, übertrieben oder untertrieben zu sein. Die Wahrheit – vor ihrer Findung –, während sie sich in den verschiedenartigsten Wahrheiten finden lässt, ist noch nicht tragfähig.

Das Ersehnen einer Zusammenführung ebendieser Wahrheiten entspringt dem Wesen der Urmenschlichkeit; es ist schön, es ist gut, es ist wichtig.

Das Bestreben, die Forschung nach der vollständigen Wahrheit aufzugeben, löst bei den Wahrheitssuchenden Alarm aus, denn jenes Forschen ist ihnen das Wertvollste, und für Diejenigen, die darauf bestehen, ist es denn auch nicht selten das Einzige, was ihnen nicht genommen werden kann.

„Die ganze Wahrheit der unzählbaren Unfreiheiten, die sich in uns angesammelt haben, würdest Du aber in Gänze auch schwer aushalten, werte Prinzessin!“ (R. L.)