Lauti

Werden und Sein

„Na gut“, sagte sich der Selbstmörder, nahm das Gewehr und erschoss die anderen. „Das ist nicht destruktiv gemeint, im Gegenteil.“

Man wird nicht von heute auf morgen arm, von gestern auf heute aber ist es geschehen;
das Geld aufgebraucht, das Konto im Minus. Gewiss, Millionen von Menschen teilen diese Erfahrung und leben damit – oder sterben. Aber ist es nicht paradox? Als Säugling, als nulljähriges Menschenkind, da wies mein Konto ein Guthaben von 500 Mark auf, angelegt für eine „gute Zukunft“. So wie ich, so wuchs über lange Zeit hinweg auch das Guthaben – Taschengeld, Zivildienst-Sold und Zeitungsjobs nährten es, sogar das Bafög sparte sich teilweise an. Freilich, nach dem Versiegen der Quellen war das Ende des Wachstums absehbar und ein „Negativwachstum“ folgerichtig, und doch überraschte sie mich, die Leere, auch die in der Vorratskammer.

Wenn ich für Geld schreiben soll, dann versagt mir die Feder. Wenn ich nach einem Job schiele, dann rutscht er mir aus dem Blickwinkel. Im Panormabild meines Daseins ist eine abgeschlossene Ausbildung eine ausgeschlossene Abbildung. In Löcher bin ich schon oft gefallen, aber noch nie in eine Goldgrube. Mich beeindruckt die Zwangsläufigkeit der daraus resultierenden Folgen. Zuschauer des eigenen Lebenslaufes zu sein, ist unheimlich. Die Vernunft ruft mir unentwegt ihr „Ja“ zu; das Echo klingt etwas schräg: „Nein“!

Ich bin nicht, um zu werden – ich werde, um zu sein.