Besinnliches Tun!

Energiewende

Als die
Augen uns tränten,
den Armen wir spendeten,
Weihnachtsbrunnen uns blendeten,
dem Mangel an Energie wir uns grämten,
lag ein Hauch von Zimt, nein Kohle, in der kühlen Luft;

in den Centern und Arcaden glänzten – goldbesetzt –
die makellosen Maskeraden der von Glück Getragenen,
welche unter dem Schmucke hell erleuchteter Kunststofftannen
zu Konsum hin sich besannen;

Erlösung genahte, alles erstrahlte
zehntausend Jahre lang.

[ostprinzessin, 2008]

Dank an

Loriot: Wir bauen uns ein Atomkraftwerk
& Vattenfall verzaubert Berlin

Shakespeares Sonette

Zu Tränen gerührt von der erhabenen Aura Inge Kellers (87),  der „diensthabenden Gräfin der DDR“ (Zitat: Inge Keller), in der Rolle des  Shakespeare, Jürgen Holtz (79) als Elizabeth I. und Ruth Glöss (83) als Fool; verzaubert vom betörenden Gesang des hervorragend schauspielenden Countertenors Christopher Nell als Eve.

Ein Stück von Robert Wilson. Musik: Rufus Wainwright.

Ägide

Ägide

Wächter der Schatten rufen meine Namen:
Amos! Entbehre deiner Haft! Begehre Einlass!
Unheil dräut. Esther! Deine Arme halten nichts.
Doch nahen die Träger der letzten Gewähr:
umträumte Seele, aller Sinne Hatz entflohen,
ruhend an meiner Brust, außer sich. Zeitstäube
durchkreisen den Äther, nur einmal noch.
Gib acht! Der Sog der Vergessenheit fasst
und spannt sein Netz aus Haltlosigkeit.

Anderwärts liegt mein Zuhaus.

 

[ostprinzessin]

turn the page

Jedes gelebte Leben hinterlässt Spuren – bewusst und unbewusst gelegte – die lesbar sind für die Mitmenschen und die Nachwelt: in Form von Tagebüchern, Fotos, Briefen oder Notizen usw. Die meisten dieser Lebenszeugnisse verschwinden nach dem Tod einer Person im Müll oder in den Schubladen der Hinterbliebenen. Nur manche werden später doch veröffentlicht, posthum und weil der entsprechenden Person eine gewisse Aufmerksamkeit im öffentlichen Leben zukam oder weil sie Zeuge von geschichtlich relevanten Ereignissen war.

bigNOTWENDIGKEIT pusten den Goldstaub von Buchdeckeln & Zelluloid und inszenieren die Selbst-Inszenierung. Ein trauriger Weltstar, ein verschämter Intellektueller, ein glamouröser Revolutionär, eine Tagebuchschreiberin, die nicht nur Luft schaufeln will und ein gefeierter Schriftsteller, den es niemals gab, bringen Erzählungen in Gang, zeichnen Spuren nach und verdichten die autobiographischen Fiktionen ihrer selbst. Aus Stimmengewirr und Textfluten versuchen sie gemeinsam einen „idealen“ Lebensverlauf zu komponieren.

Für turn the page stöbern fünf DarstellerInnen in Tagebüchern, Bildern und Briefen und erforschen die dokumentarischen Spuren, die fünf andere Leben hinterlassen haben. Durch die Erzählung fremden Lebens untersuchen sie die Strategien und Mechanismen des Sich-Selbst-Erzählens.

In einer Zeit, in der die öffentliche mediale Selbstdarstellung einem fundamentalen Wandel unterliegt, wenden sich bigNOTWENDIGKEIT Selbstzeugnissen unterschiedlichster Art als Ausgangsmaterial zu und werfen damit Fragen der Selbstkonstruktion, der Selbstinszenierung und nach den Ingredienzien eines als gelungen empfundenen Lebens auf.

„Ich wäre nichts, wenn ich nicht schreiben würde. Indessen bin ich woanders als da, wo ich schreibe. Ich bin besser als das, was ich schreibe. “ Roland Barthes

Von und mit Esther Becker, Rosario Bona, Anna-Katharina Müller, Sahar Rahimi und Marcel Schwald. Im Theaterdiscounter.

Bei Einbruch der Nacht

„Wir alle stürzen in jeder Sekunde auf unseren eigenen Tod zu.“

Vom Meer und vom Leben am Meer, davon handelt das Stück. Von den alten Bewohnern eines Fischerdorfes, die auf ein hartes, aber erfülltes Leben zurückblicken. Sie befinden sich im „Schwebezustand“ des Rentnerdaseins: Zwar sind sie ganz fröhlich und lieben und streiten sich in bester Walter-Matthau-und-Jack-Lemmon-Manier; sie sind in Kontakt mit ihren Familien und Freunden – aber „gebraucht“ werden sie nicht mehr, die Verbindungen zu den Menschen und den Dingen des Lebens werden flüchtiger. Manchmal fällt es ihnen selbst nicht leicht zu spüren, wozu genau sie noch da sind. Sie blicken hinaus auf das Meer.

Klassisch-melancholisches Volkstheater. Mit Wolfgang Jahn, Horst Warning, Katja Rogner und Henry Schneider. Von TheaterschaffT. Im Theaterdiscounter.