Leute, ihr lieben!

Nach der wunderbar überfüllten Buchpremiere in einem Berliner Theater stehen jetzt Vorbereitungen für mehr Songs, Performances und aufregende kleine Lesungen an. Freiheitswanderung nenn ich das, denn es geht um was.

Atmen im Gegenwind ist hier erhältlich, portofrei und mit liebevollen Extras, oder im Buchhandel.

Euer Princess

  • Advent, Advent

    Advent, Advent,
    ein Lichtlein brennt

    ein Haus, ein Land
    im Finstern, kalt

    Flammen schlagen
    aus den Fenstern

    Teddy liegt versengt
    in Barbies Armen

    in Omas Häuschen
    scheißt der Bär

    Drohnen fallen
    vom Firmament

    in die roten Beete
    Europas Seele brennt

    Vor der Botschaft der Russischen Föderation
  • Das ist / nicht / unser / Krieg

    Zwei Wahrheiten. Sichtweisen. Gefälligkeiten.
    Ein historischer Streit. Offenbarungseid.
    Kein Zweifel. Ein kollektives Leid.
    Allzeit bereit. Freier Fall.
    Bewährung. Versagen.
    Menschlichkeit.

  • Wuchernder Faschismus

    Die Duma, das altehrwürdige Parlament der Russischen Föderation – hoppla, schon duftet es nach Ironie – ist, und so viel lässt sich ohne Übertreibung sagen, Sitz und Hort einer Bande kleingeistiger Faschist:innen. Allesamt, wie wir seit gestern wissen. Eine ganz schön große gestrige Bande. Querbeet. Einzig im Föderationsrat erklingen oder vielmehr verklingen noch menschliche Stimmen. Eine wenigstens. Höchstens. Lyudmila Narusova. Sie und ein paar Letzte noch. Erste und Letzte. Oppositionelle in den Provinzen. Das war’s dann aber auch. Der Führer lässt grüßen.

    Dass der russische Staat so rasch und unwidersprochen offen menschenverachtend wird, Terror und Krieg gegen seine Leute und die anderer Länder führt, wer hätte das vor zwanzig Jahren gedacht! Gut, Grosny war da schon gewesen, man hätte es also ahnen müssen. Manche haben das. Chapeau. Ich wollte noch vor ein paar Jahren auf Reisen gehen im Ural. Ein Bilderbuch. Hätte ich tun sollen. Nun widert es mich zu sehr an. Denn alles kommt wo her. Nichts aus dem Nichts. Da war, da ist, da muss was sein: etwas – wie der Tod, und dem will ich nicht begegnen, ohne Not – dummerweise Quicklebendiges. Das zieht sich durch. Eine Tortur. Eine Qual. Russland, du wirst bluten, einmal mehr, und irgendwann zerfallen wie ein greiser Bär.

    Und da ich abholde Wenigkeit in deinem großer Grausamkeit geneigten Staate aus Gründen verschiedener Diversität, unterschiedlicher Anlässe und Vorwände im Knast verenden würde müssen, oder – der Führer lässt noch einmal schönstens grüßen – im Arbeitslager, windstill gelegen im Elend, fehlt das sonst inhärente Mitleid mir für deine Menschen, die Gleichgültigen, Menschen des Mainstreams, Menschen der schläfrigen, feigen Mehrheit verblendeter Faschismus-Mitläufer:innen. Die nimmer das Maul aufkriegen. Wie die Mannen der deutschen Reichsmannschaft, nur schlimmer.

    Obwohl das nicht stimmen kann, sagt mein Herz, und: Das hast du nicht verdient. Das nicht und mein Herz. Und Mitleid empfinde ich tatsächlich doch. Traurigkeit und Mitleid. Für ein trauriges, für ein wunderschönes Land in einer unwürdig schießwütigen Realität. Ein Reich, das sich in neuem Glanz erstrahlend wähnt. Was für ein monströser Irrtum. Was für ein finstrer Ort. Was für ein langer, hässlicher Weg da raus. Irgendwann. Den hast du verdient. Das hast du alles dir verdient. Reich, das wankt. Falscher Held. Faschistoid. Blind für die Schönheit der Menschlichkeit. Und also musst du niedergehen. Wie bestellt. Nicht gewollt, aber auch nicht unverlangt.