„Spielplan Deutschland“

Eine schmissige Satire auf das Theaterschaffen von Oben im Spiegel der Publikumserwartung.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Theater und alle Stücke, die an diesem Abend in sämtlichen Theatern öffentlicher Trägerschaft zwischen Aachen und Zittau zu sehen sind, werden Ihnen gezeigt. Die Schauspieler und Musiker springen von Genre zu Genre, Stadt zu Stadt, Inszenierung zu Inszenierung. Das ist Spielplan Deutschland! Die einzigartige Bühnensimultanschau macht es möglich, alle Theatervorstellungen Deutschlands eines Abends gleichzeitig zu sehen und den bundesweiten Kampf um den Kultur- und Bildungsauftrag der Theater hautnah mitzuerleben. Tagesaktuell!

Spielplan Deutschland ist Bühnenshow und Evaluierungssystem, das sich mit Faszination dem Status Quo des viel gescholtenen und viel gepriesenen deutschen Theatersystem annähert. Wie ist der Zustand des Theaters in Deutschland? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen werden thematisiert und mitgestaltet? Spielzeitmottos aus den Spielzeitheften der Stadt- und Staatstheater werden auf ihre Einlösbarkeit und ihren Realitätsbezug vor Ort überprüft, neue Dramatik und Stückentwicklungen vorgestellt und zu einem neuen Bühnengeschehen verdichtet.

Mit Anette Daugardt, Armin Köstler, Jaron Löwenberg, Mareile Metzner, Jennifer Sabel, Sven Tjaben und Markus Rechtnefki. Von Anne Freybott, Heike Pelchen und Georg Scharegg. Im Theaterdiscounter.

Trying to be real #4 SHOViNG

Eine Performance im Theaterdiscounter und in der Klosterstraße.

In der 4. Folge von Trying to be real stellen sich Daniel Hinojo und Heiko Senst mit SHOViNG einer persönlichen wie gesellschaftlichen Grunderfahrung im physischen Selbstversuch.

Die Handlung von SHOViNG ist rein physisch. Eine Belastungsprobe. Zwei Körper, in ihrem Versuch mit der wiederholten Zumutung von Stoßen und Fallen umzugehen.

In der steten Wiederholung des Vorgangs entsteht seine Bedeutung im Auge des Betrachters und durchläuft unterschiedlichste narrative Transformationen.

Ist das eine epische Schlacht? Ist es Unterdrückung? Sex? oder die Abwehr des „Selbst“? Ist es die Reaktion zweier chemischer Substanzen, zweier Atome oder zweier Galaxien? Ist es eine blinde Gewohnheit oder ein kopfloser Angriff? Gibt es hier Opfer und Sieger?

Es geht um den nackten Kampf zwischen Verhalten und Handeln. Um Beweggründe.

Sprengsatz

Die Bombe ging hoch um halb 10
– das haben alle gesehn, denn
sie waren immer noch da und es
war immer auch klar: ein paar
Scherben vielleicht, doch sterben
darf niemand, ganz ohne Frage,
und so muss es auch bleiben,
denn so geht es munter, ganz
und gar heiter, noch sehr viel
bunter und endlos so weiter –
die Bombe ging hoch um halb 10.

[ostprinzessin]

Plouescat, Juni 2010

„Kann ich Deinen Diskurs mal in den Mund

nehmen?“ im Theaterdiscounter.

Was für ein Superfrust, dass ich im Theater gelandet bin, wo hier permanent gelogen wird. Warum lieben wir moralisch immer die Ehrlichkeit, aber ästhetisch die Lüge, die gespielten Verabredungen? Wie wäre es mal umgekehrt! Wir müssen uns unserer Verletzlichkeit stellen, weil wir radikal abhängig vom Anderen sind. Deshalb labert im Theater doch nicht immer so kitsch-anthropozentrisch daher, mit dieser patriarchal-harten Geste, das ist doch wirklich zum Kotzen, als wärst du die personifizierte Inkarnation des Kapitalismus…..aber ich bin schon wieder vom Thema abgekommen…, wir wollten doch so was Kleines wie das Einüben unserer nachgespielten Erfahrungen zeigen, oder? Ist Kritik am Kapitalismus heute der einzig ökonomische Verkaufsschlager und meine Jacke und mein Tanz nur ein Lifestyle, der den Oberreichen das richtige Image für ihre neo-liberale Stadt leiht? Warum trennen und werten wir das Tier in uns und neben uns ab, obwohl wir auf der Bühne die Sinnlichkeit lieben und im Bett den Sex?

Wir haben das Wenige zusammengeklaut, was wir finden konnten, aus unserem kreativökonomischen Leben, um irgendwie an dieser Einbildung Kunst mitwirken zu können, um hier endlich die Revolution zu verkünden, um endlich alles für verloren zu erklären, um endlich an der Kunst, also am Kapitalismus auch mal teil zu haben, es leben die Gefühle, es lebe das Geld, es lebe die Liebe, es lebe die Lüge. Halleluja, jetzt schlägst aber dreizehn!

Betr.: Heilige Dt. Vereinheitlichung

Das ist die Fortsetzung
einer ganz gewissen Art,
dessen, was gewesen ist,
doch nie zu Ende war –
die Fortsetzung, die’s
Denken uns erspart, denn
wir sind jetzt wieder wer.

[ostprinzessin]

Thema: “GERMANIA barbarica” (Arbeitstitel: Figur auf Säule)
Material: Stahl
Technik: geschnitten, gebogen, geschweißt, feuerverzinkt
Höhe der Figur: 4,00 m, mit Säule ca.10,00 m

Germania, Personifikation Germaniens; in römischer Zeit als trauernde Gefangene dargestellt, im Mittelalter als gekrönte Frau, im 19.Jahrhundert als Walküre (begleitet die toten Krieger nach Walhall), Sinnbild eines geeinten Deutschland.

Die Eisenhüttenstädter GERMANIA tritt uns als Tod auf einem germanischen Kultwagen (der ursprünlich die Sonnenscheibe trägt) gegenüber. Neben den uns überkommenen historischen Darstellungen als Gefangene, Gekrönte und Walküre, stellt der Autor eine so noch nicht gezeigte neue Interpretation der Germania als Zeichen auf eine Säule.

Es ist natürlich auch eine Provokation, die unter anderem daran erinnert, daß Deutschland vielen Völkern aber auch dem eigenen oft als Tod begegnet ist.

Die alte Hure Germania ist wieder schwanger, denn “der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch…”.

www.herrmannart.de