Wer

East Princess, Atmen im Gegenwind

Das Zimmer kalt, das Fenster blind vom Atem
Der verbrauchte Äther gibt dem Zweifel Halt
Die Ranken der Ratlosigkeit fesseln meinen Arm
Was ich weiß, passt in eine kleine Hand: Träume
Ich seh den Weg, den Strand, die Erdbeerbäume
Den Wind, der die Beeren in meine Körbe weht
Ich steh an der Tür, die nur du öffnen kannst

Was

Berlin ist immer weniger Berlin, mehr irgendwas
Ich hege den Schmerz wie einen gloriosen Schatz
Und gebe dir ein Zeichen, das nur du sehen kannst

Wo

Eine Treppe, ein Gang, eine Tür
und die Nacht über Berlin

Eine Hand ertastet das Dunkel,
die andere fasst das Licht

Nichts ist hier und alles,
niemand kann es sehen

und alle

Kollektivdunst

Über den Dächern steht der Nebel,
der Himmel ist eins, in Unkenntlichkeit,

unter den Dächern wabern Kreaturen,
Zweifel hängt in den Gardinen,

in den Stuben brennt die Ohnmacht,
der Rauch weht aus dem Gebälk,

Krähen kreisen über den Kränen,
ein einsamer Rabe blickt herab,

der Palast fällt klirrend in den Sand,
die Lügengebäude halten stand,

manche feiern, manche weinen,
eine wäscht die andere Hand,

alles viel zu leise, alles viel zu laut.

Warten

Ich, unterhalb von meinem Turm, an der Narbe der Stadt, die mich teilte wie einen Regenwurm.

Böen einer grausamen Predigt verheerten ihr Hab, das Gute barst, ein Ast fiel, mein Finger brach ab.

Tränen schlossen die Wunde, Flügel wuchsen nach und eine neue Saat keimte in den Kratern der Stadt.

Drei Freunde

Patrick: „Was is?“
Jamal: „Meine Tasche is voll schwer!“
Ümit: „Da is Big Mama drin.“
Patrick: „Wer?“
Ümit: „Big Mama. Kennst du Big Mama? Die is voll dick.“
Jamal: „Ich muss hier raus.“
Patrick: „Bis morgen, Alter, wasch dich!“
Ümit: „Morgen um acht. Tschö!“
Jamal: „Ja, ciao – grüß Tschaschi!“

Drei Drittklässler auf dem Weg nach Hause.

Berlin, 2014