Wolken drohen wie Geister

Weinende Kinder!
Des Regenschauers Wolken
drohen wie Geister.

Kobayashi Issa (1763-1828)

Und ich gedenke dieser Tage vermehrt meiner bereits verstrahlten, japanischen Schwestern in den Anführungszeichen.

Toru Kono wechselt zwei Monate nach Beginn des Schuljahres auf eine Jungenschule. Die dortigen Schüler haben die Tradition entwickelt, aufgrund des Fehlens an Mädchen die hübschesten Jungen zur Schulprinzessin zu küren. Toru wird unerwartet zu einer Prinzessin gewählt, aber im Gegensatz zu anderen gefragt, ob er diese Rolle übernehmen möchte. Nach anfänglichem Widerstand stimmt er zu, da er als „Schulprinzessin“ hohe Privilegien genießen könnte.

Yujiro Shihodani ist die „Ostprinzessin“. Mikoto Yutaka ist die „Westprinzessin“, will jedoch eigentlich nichts damit zu tun haben. Ost- und Westprinzessin sind verschiedene Bezeichnungen für die „Schulprinzessinen“, die die Schule in zwei Lager spalten. Die einen vergöttern die „Ostprinzessin“, die anderen die „Westprinzessin“. http://de.wikipedia.org/wiki/Princess_Princess

Das Alte hören wir vom Lehrer.
Das Neue erfahren wir aus der eigenen Erkenntnis.
Haben wir Erkenntnis erlangt,
liegt das, was wir lernen,
in uns,
und das den Menschen
auf ihre Fragen zu Antwortende
ist ohne Grenzen.

Ishida Baigan (1685-1744)

Klassenvorspiel

Klassenvorspiel der Gesangsklasse von Gesangsfachkraft Annette Goldbeck-Löwe; insgesamt überdurchschnittlich, mt einigen Highlights und launigem Publikum im restlos besetzten Puttensaal an der Weddinger Panke.

Bingo!

Bunt. Laut. Authentisch. Sinnvoll.

Kiezbingo im SO36. Präsentiert von Inge Borg und Gisela Sommer.

An jedem 2. Dienstag im Monat (…). Der Erlös der Scheine geht an das jeweils anwesende Projekt, das sich über jede ausverkaufte Runde freut. Kreuzberger Läden spenden die Preise. Dazu spielt die Wild Flamingo Bingo Band.

Aufhören! Schluss jetzt! Lauter!

„Aufhören! Schluss jetzt! Lauter! 12 letzte Lieder“ am DT.

Ein reiches Stück, gespickt mit Momenten absurden Theaters, vielbödig, verspielt und doch den Roten Faden nie verlierend. Ein gutes Stück Volksentdummung, leicht und humorvoll, aber fein geschrieben, überzeugend gesprochen und musikalisch unterwandert; ein Autorenschrei nach Sinn und Neubeginn jenseits konsumistischer und kapitalistischer Wirklichkeit, welcher hier mit allerlei Spott und Häme, aber unter Verzicht auf herbeifantasierte (Schein-) Lösungen begegnet wird. So schwebt denn auch über aller Köpf‘ die undurchdrungene Melancholie des Hamsterrads Theater: „Wer wird siegen? Die Freiheit, die Kunst oder der Terror des Sinns?“ Und was sagt dazu eigentlich Herr Friedrich Stadtpalast?

Ein Schauspiel nicht zum Ende kommen wollenden Aufhörens, vom Publikum mit spärlichem Beifall entgegengenommen: Ein gutes Zeichen für sein Gelingen! Ja spätestens als Margit Bendokat ihr Nüscht zurückfordert und dieses in aller ihm gebührenden Konsequenz herbeisingt, ist eigentlich alles gesagt, worum es in diesem Stück wie im Leben (nicht) geht: Weitermachen!

Wir hören auf. Es muss sein. So kann es doch nicht weitergehen. Das wissen wir schon lange, davon reden wir immer – jetzt ist es so weit. Wir lassen los, und machen Schluss: Schluss mit dem Schluss jetzt. Schluss mit dem falschen Spiel. Schluss mit den falschen Texten, Tönen, Gefühlen, Gedanken. Schluss mit der falschen Politik, der falschen Gesellschaft, den falschen Freunden. Schluss mit all dem Theater, Schluss, ja Schluss. Schluss mit der Macht der Anderen, Schluss mit der Macht der Meinungen. Schluss mit dem Feuilleton und dem letzten Schrei. Schluss mit dem Funktionieren, Schluss mit der Anpassung, dem eher Dafür-Sein. Schluss mit dem Morgen und Gestern, dem geliehenen Glück und fremden Rat. Schluss mit der ewigen Wiederholung und der verkrampften Gewohnheit. Schluss mit den Ängsten, den Zweifeln und Schluss mit den Fragen. Schluss mit dem „Wenn und Aber“ und dem „Doch auf dem Weg sein“. Und Schluss vor allem mit dem Terror, ja dem Terror des Sinns!

Schluss mit alle dem, alles andere soll beginnen! Die Freiheit, ja die Freiheit, Freiheit, Freiheit! – Und dann werden wir … ja dann werden wir … beginnen. Z. B. damit, ein Lied darüber zu singen! Über die verdammte Unverschämtheit, frei sein zu müssen, so frei.

Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Jelena Nagorni, Nicolas Stemann
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg

Mit Margit Bendokat, Andreas Döhler, Felix Goeser, Barbara Heynen, Maria Schrader, Thomas Kürstner, Rainer Piwek, Nicolas Stemann, Sebastian Vogel.