Glänzende Gedanken statt Aluhut

East Princess

Ich trage die Fahne der Vielen ins Pinselreich der Einfältigen
und die Wut hunderter Jahre Unterdrückung, Leid:

die Dielen brechen, die Fliesen, Parkett, das Laminat,
ich lade meine Wut und feuere aufs Hamsterrad:

Unrat des Patriarchats, Immissionen der Vergangenheit,
und ich banne den Dämon, gewähre niemandem die Macht.

Humboldt Forum eröffnet

<Die Dialogbereitschaft wird gleich zur Eröffnungszeremonie mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf eine erste Probe gestellt. Denn neben Schlossbefürwortern sind jede Menge Gegner gekommen, die lautstark gegen das Bauprojekt protestieren.

„Friede dem Palast – Krieg den Pilastern“ steht auf einem Transparent, das Fabian Schmerbeck (24) aus Tempelhof mit dem Künstler East Princess hochhält. „Wir streiten dafür, dass das Schloss nicht so bleibt, sondern dass etwas Neues entsteht“, sagt Schmerbeck. Der Palast der Republik sei nach der Asbestsanierung „um einiges schöner, moderner und zukunftsfähiger“ gewesen.>

Berliner Zeitung: Schloss-Eröffnung: Vielen Dank an die Steuerzahler!

Danke Regierung, aber nein

Ab Dienstag müssen Singles ab 21 Uhr allein bleiben, sagst du. Erbärmlich ist das, widermenschlich, sage ich. Dein Familienbild ist nicht meins, war es auch noch nie.

Seit Beginn der Pandemie begegne ich denen, die gegen Maßnahmen sind, mit Kritik, und ich plädiere für einen kurzen, heftigen Lockdown anstelle dieses ewigen Gewürges, doch die Hoffnung darauf ist gestorben, denn du bist zu dumm, fehlgeleitet, schwach.

Dienstag nach 21 Uhr empfange ich demonstrativ 1 Gast. Wir sehen uns in der Illegalität.

Was für ein Fehler

In der Mitte unserer Stadt erstand vor Kurzem ein Betonbau mit vorgehängten Natursteinplatten: das Berliner Schloss – bewohnt nicht etwa vom preußischen König, dem deutschen Kaiser oder der Ostprinzessin, nein, es musste internationaler sein, und so holte man das Beutekunst-Forum. Und das ist nicht einmal der größte Fehler.

Fangen wir im Kleinen an. Niemand wird die Imposanz dieses Baus, an dem überraschend vieles missglückt ist, bestreiten. Erinnerte er im Rohbau noch an die Atombombenkuppel von Hiroshima, was seinen ganz eigenen morbiden Charme hatte, insbesondere an Abenden, an denen eine Krähenschar lauthals ums Dach kreiste, so dürfen wir uns mittlerweile an andere dunkle Kapitel unserer Geschichte erinnern, derweil das Kuppelkreuz uns zur Unterwerfung gemahnt, was manchen angesichts der Defizite unserer säkularisierten Gesellschaft gewiss sympathisch erscheinen mag, während es anderen die Zornesfalten ins Gesicht malt: Kaiser und Vaterland, die Verantwortung zweier Weltkriege und diverser Genozide, und zu schlechter Letzt der Triumph des kalten Kapitalismus über den klammen Sozialismus. Und die Imposanz ist dabei Teil des Problems.

Dass es der rückwärtsweisenden Symbolik des Schlossneubaus bedurfte, um über die DDR zu triumphieren, muss bezweifelt werden. Wirklich schade ist dabei auch, dass dem Streben der Gestrigen – viele von ihnen mittlerweile tot –, die uns diese Rolle rückwärts befahlen, ein einzigartiges Bauwerk geopfert wurde, dessen Zukunftsfähigkeit heute fehlt: der Palast der Republik, samt seiner Geschichte als Scheinparlament der DDR und Vergnügungsstätte der Massen, der atemberaubenden Technik des Großen Saals, des glitzernden weißen Marmors und der die Sonne in wärmsten Tönen reflektierenden bronzefarbenen Thermofenster. Was blieb, sind die unzähligen persönlichen Anekdoten, die Menschen mit diesem Ort verbinden. Seine Vernichtung wird im Osten unseres Landes bis heute aktiv rezipiert. Die Siegermentalität des Westens zeigt nachhaltig Wirkung und schadet dem gesellschaftlichen Frieden in Ost, West, Nord und Süd gleichermaßen.

In den Jahren vor seinem Abriss hatte sich Palast der Republik als genau der Ort entwickelt, den wir heute brauchen würden: als Ort unterschiedlicher Kulturen, als Kulturort vieler Bedürfnisse, als Gedenkort, als Ort spannender Experimente alter und junger Leute, als Ort der Stunde Null, in der Zukunft möglich erscheint, ohne die Dominanz egal welcher Unrecht bringenden Ideologie auch immer – und nicht zuletzt als authentischer Ort, der die Geschichte des untergegangenen Staates DDR mit all seinem Recht und Unrecht wie kein zweiter exemplarisch zu erzählen vermag. Doch die Gestrigen siegten. Dass sie diesen Ort selbst nie nutzen würden, war dabei immer klar. In jedem Fall hinterließen sie uns eine Zumutung, die schönzureden uns gewiss nicht gelingen kann. Denn das Königliche Schloss war, ist und bleibt ein gewichtiger Fehler, der gegenwärtige und künftige Generationen belastet, ohne ihnen die Chance auf einen Neuanfang zu ermöglichen.

Auch das Humboldt Forum in den Fesseln des Berliner Schlosses ist nur bedingt hilfreich. Immerhin wird seine Präsenz im vielseits ungeliebten Neubau das Thema Raubkunst wachhalten und lang überfällige Auseinandersetzungen des Kolonialismus und Rassismus in die Mitte der Stadt tragen. Doch wäre nicht der transformierte Palast der Republik auch hierfür der spannendere Ort gewesen? Kluge Menschen im Palastbündnis stellten solche Fragen bereits vor 15 Jahren. Der Palast überdauerte gerade einmal 30 Jahre, dem neuen Schloss könnte es ähnlich ergehen.