Mietenwahnsinn widersetzen

Die vielleicht wichtigste Demo des Jahres.

14. 04. – 14 Uhr – Potsdamer Platz
http://mietenwahnsinn.info

WIDERSETZEN – Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn

In Berlin werden Menschen durch steigende Mieten verdrängt. Mietwohnungen werden in Eigentum umgewandelt. Nachbarschaften werden zerstört. Soziale Einrichtungen und Gewerbetreibende finden keine bezahlbaren Räume mehr. Die Obdachlosigkeit wächst. Rassismus und Diskriminierung erschweren zusätzlich die Wohnungssuche. Selbst am Stadtrand gibt es kaum noch bezahlbaren Wohnraum. 74% sehen in den hohen Wohnkosten eine Gefahr, die Wohnung zu verlieren oder zu verarmen. Fast die Hälfte der Berliner Mieter*innen befürchtet, sich in den nächsten 2 Jahren die Wohnung nicht mehr leisten zu können.

Diese Misere hat System!

In dieser Gesellschaft wird mit Wohnungen und dem öffentlichen Raum Geld gemacht. Wohnungen werden wie Waren gehandelt, die den Profit steigern sollen. Immer mehr Einkommen geht für die Miete drauf. Mieter*innen konkurrieren um sogenannten günstigen Wohnraum oder Sozialwohnungen, die Mangelware geworden sind. Aber menschenwürdiges Wohnen ist ein Grundbedürfnis und Menschenrecht. Deshalb muss das Prinzip „Profit vor Menschen“ abgeschafft werden.

Für eine solidarische Stadt,

die kein Geschäftsmodell ist, sondern Lebensraum für Alle – unabhängig z. B. von Herkunft, Sprache, Alter, Behinderung oder Einkommen, in der die Häuser fürs Wohnen und nicht für den Profit gebaut werden, in der Menschen nicht mehr in Notunterkünften und Heimen leben müssen und in der Wohnraum Allgemeingut wird. Wir fordern einen radikalen Kurswechsel in der Wohnungs- und Mietenpolitik!

Widersetzen wir uns!

Für diese Stadt wollen wir gemeinsam kämpfen! Seite an Seite, solidarisch – schon betroffen oder nicht. Immer mehr Menschen wehren sich selbstorganisiert in Hausgemeinschaften, Initiativen, vor Gericht oder auf Demonstrationen. Sehr oft mit Erfolg: Widerstand lohnt sich!

Kommt zur DEMONSTRATION AM SAMSTAG 14. APRIL UM 14 UHR AM POTSDAMER PLATZ.

Setzt euch in euren Kiezen zusammen zu den berlinweiten AKTIONSTAGEN VOM 4. BIS ZUM 14. APRIL 2018.

Helfen, aber wie?

Hallo Nachbarn!

Für alle, die im gegenwärtigen Chaos den geflohenen Menschen und künftigen Nachbarn in, an und vor den verschiedenen Anlaufstellen, Provisorien, Nothilfeeinrichtungen und drumherum helfen wollen, aber noch keinen konkreten Anschluss gefunden haben, hier zwei von vielen wunderbaren Möglichkeiten, sich umzusehen und bald tätig zu werden – aus der Distanz oder ganz persönlich.

https://volunteer-planner.org

https://netzwerkfluechtlingeberlin.wordpress.com

Rollrasen im Garten Eden

Wieder war ein Stück guten Glücks der Übermacht einiger traumloser Gesellen in Regierung und Planwirtschaft zum Opfer gefallen. Und das Volk in seinen Gattern nahm dies hin, nicht alle und nicht alles freilich und auch nicht sofort, aber die allermeisten von ihnen später dann doch. Die märchenhafte Wildnis im endzeitlichen Zauberwald inmitten der weitläufigen Stadt trug den ungeliebten Stempel der Freiheit. Soviel grobe Ungewissheit weckte Argwohn nicht nur bei den zuständigen Behörden. Jener verwunschene Ort ist daher längst Geschichte; was von ihm blieb, ist Erinnerung.

Löcher in den Zäunen ringsum dienten als Ein- und Ausgang. Die Menschen betraten das Areal, auch wenn dies selbstverständlich nicht gestattet war. Jeder Übertritt markierte den ungesetzlichen Akt der Selbstbestimmung. Das informelle Naturerlebnis jenseits der engen Häuserschluchten begeisterte seine Entdecker. Verfallende Ziegelbauten aus den Zeiten des bahnwirtschaftlichen Betriebs boten ihren Bewohnern eine karge Heimstatt, natürlich widerrechtlich. Mancheiner, der die Rechthaberei der Einfaltsgesellschaft satthatte, fand hier ein trautes Plätzchen, schlug sein Lager auf, ein Zelt: Improvisierte Heimat fernab von Hype und Habsucht einer zur Gefräßigkeit erzogenen Metropole, Lagerfeuerromantik jenseits des überbemühten Wohlstandsklischees.

Wald sah man dort vor lauter Bäumen nicht. Diese durchaus gesprächigen Zeitgenossen flüsterten ihren heimlichen Besuchern Geheimnisse ins Ohr, und als Zeugen der Melancholie ragten sie weltverloren ins Alles und Nichts der schwer zugänglichen Lichtungen. Buschwerk überwuchs Aufschüttungen und Untiefen. Verkohlte Balken stürzten von den Gemäuern der Ruinen und luden zum Verweilen ein. Rostende Signalmasten signalisierten dem sie belagernden Dschungel die Bereitschaft zu ewigem Ruhestand in Einheit mit Mutter Erde. Und Dunkelheit blieb Dunkelheit, keine Funzel leuchtete Spaziergängern den Weg. Selbst wer ihn kannte, konnte nach Sonnenuntergang rasch die Orientierung verlieren und musste nun den Entschluss fassen, sich einer neuen zu bequemen.

Vielleicht stieß ihn die ungewohnte Losigkeit in eine Not, die ihn nachdenklich machte und ihn am steilen Hang eines erweiterten Bewusstseinstrebens wieder zu sich finden ließ. Vielleicht auch schlich er zu den Wilden ans Lagerfeuer. Man mochte kaum glauben, wieviele Menschen des Nachts in düstrer Wildnis anzutreffen waren. Wer allein sein wollte oder allein unter Gleichgesinnten, suchte sich irgendwo in diesem zentral gelegenen Abseits ein schönes Plätzchen, an das niemals ein Landschaftsplaner Hand angelegt hatte und welches nur genau deshalb alle Kriterien erfüllte, die man sich von diesem Ort versprach: Ruhe, Erholung und Spaß an der Entdeckung.

Wer raus wollte aus dem Trott der Angepassten, folgte einfach dem Schienenverlauf. Verwaiste Gleise aus dem Zeitalter der Industrie führten geradewegs ins ungeplante Durcheinander und entgleisten imaginäre Eisenbahnzüge ins Reich der Fantasie. Die Tore nach Utopia standen weit offen, einen Moment lang nur, einen Augenblick zu lang. Da hätte ja wer weiß was passieren können. Das durfte nicht sein. Abhilfe fand man schließlich in Form einer groß angelegten Grünflächenplanung nebst Bebauung.

In Erinnerung an einen Ort, den es offiziell nie hätte geben dürfen.

Seniorenaufstand im Villenviertel

Seit nunmehr sechs Tagen halten Berliner Senioren ein Haus in Stille Straße 10 besetzt, das ihnen bis zum 30. Juni als Freizeitstätte diente. Aufgrund enormen Drucks seitens des Senats und eines daraus resultierenden Beschlusses der Pankower Bezirksverordneten von SPD, Grünen, CDU und Piraten wurde die Einrichtung zum Monatsende geschlossen und soll nun aus dem sog. Fachvermögen herausgenommen und dann über den Liegenschaftsfonds verscherbelt werden.

Auch weil das Grundstück unweit des ehemaligen Gästehauses der DDR, des berühmten Majakowskirings und des Schlosses Niederschönhausen gelegen ist, inmitten einer bürgerlichen Wohngegend, hatte man wohl mit keinerlei ernstzunehmendem Widerstand gerechnet. Doch die Senioren erwiesen sich als weitaus aufgeklärter denn erhofft, besetzten das Haus und trommelten die gesamte Berliner Presse herbei, welche die Aktion dankbar aufnahm und sogleich an ihre über sämtliche Milieugrenzen hinweg Beifall klatschende Leserschaft weiterreichte.

„Wir bleiben, bis die Bagger kommen“

Die Unruheständler jedenfalls geben sich zäh und übernachten auf Campingliegen im besetzten Haus. Mittlerweile schieben einige auch nachts Wache, da das Bezirksamt in einer Nacht- und Nebelaktion ein Schloss austauschen ließ, was die frischgebackenen Besetzer ebenso überraschte wie verärgerte. Trotzig halten sie die Stellung. Seitens des Bezirks heißt es, man wolle vorerst auf eine polizeiliche Räumung verzichten – wohl auch aus Furcht vor dem Zorn der Alten und den politischen Gefahren öffentlicher bzw. veröffentlichter Meinung.

Weil die unbeugsamen Senioren ihren Transparenten kurzerhand ein „Wir bleiben alle“ angefügt haben, erregen sie auch in diversen Berliner Paralleluniversen einige Aufmerksamkeit. Die altbekannte Parole knüpft nahtlos an einen in den 90er Jahren in Prenzlauer Berg und Mitte begonnenen Mieterkampf gleichen Slogans und darüberhinaus an dessen derzeitige Neuauflage im Milieu autonomer Aktivisten, ebenfalls unter dem Schlachtruf „Wir bleiben alle“. Die überwiegend jungen Menschen blicken mit einer Mischung aus freudiger Solidarität und kaum unterdrückbaren Neidgefühlen auf die Widerständler des deutlich älteren Semesters.

Jene in langjähriger Arbeit geschaffenen sozialen Strukturen der Freizeitstätte, in die mehrere hundert Senioren eingebunden sind, dürften angesichts des gemeinschaftlichen Aktes der Besetzung vorübergehend erblühen – bleibt nur zu hoffen, dass sich der Widerstand über die Blütezeit hinaus halten kann. Nicht nur den kämpferischen Alten wünsche ich das sehr.

Ostprinzessin