Kunst sollte immer die Mächtigen reizen und den „Elefant im Zimmer“

Interviews machen sehr sichtbar, und ich hoffe, hier auch ein Stück Welt. Manchmal braucht es einen, der ihr und mir die Maske runterreißt. Danke, Walter Pobaschnig. Auf wieder Sehen! Der Hl. Geist

Lieber East Princess, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich steh auf und muss suchen, ein Wort, einen Gedanken und den Mumm, ihm zu folgen bis an seine Schranken. Er liegt ja noch in den Wolken. Ich setz Wasser auf und füttere mich mit Pudding und Rhabarberkuchen. Für ein paar Stunden bin ich erst mal stumm. Selbstgespräche nicht mitgezählt.

Dann habe ich die eine oder andere Frage und rufe M an. Bitte, erklären Sie mir die Welt. Das stets außerordentliche Interesse bestätigt die hohe Bedeutung meiner Anliegen. M sagt dann so was wie „Mh“, „Hm“, „Mh hm“, „Hm mh“, „Hmm“, bis der Schleim im Hirn sich bewegt und eine Antwort generiert. Daraus ergeben sich meist noch mehr Fragen.

Es folgt eine Reihe von Plagen, bezahlte Umfragen beispielsweise. Man muss ja Geld eintragen. Der profane Teil der Reise. Bis irgendwann die Wut Genozid-Niveau erreicht und ich zur erstbesten Waffe greife. Vorher rufe ich M an. Bitte, wozu würden Sie raten: Reife oder Ungeduld? M atmet tief aus: „Beides.“ Und also, da haben wir den Salat. Grrr! M ist so unerträglich weise.

Der ganze große Garten liegt im Dunkeln, und ich fang an zu scharren. Ist man ganz leise, hört man, man ist nicht alleine: Wühlmäuse, Maulwürfe, Tausendfüßer, Regenwürmer in bunten Farben – alle, die was umgraben. Graswurzelbewegungen. Okay. Na gut. Es ist viel zu tun.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten jeden Tag eine halbe Stunde spazierengehen, allein, auf allen Vieren. Ich denke, das eröffnet neue Perspektiven.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Jeder Tag, jede Stunde hat eine Zeitenwende. Die Zeit ist nicht lethargisch, nur weil wir es sind, doch kennt sie nur die Ewigkeit, keinen Neubeginn. Wenn wir das verstünden, möglicherweise würden wir uns manchen Aufbruch ersparen, manches Unheil, manche Sünden. Aber vielleicht ist auch das Problem, dass wir es verstehen.

Die Zeit, wie sie vergeht. Woraus unsere Not entsteht, sie zu prägen und möglichst allen davon zu künden. Am besten via Social Media. Das  egalisiert alle Stimmen und Meinungen.

Merke: Demokratie braucht Expertise, und Expertise braucht Empathie. Unser Mangel daran ist Ursache jeder Krise. Kunst sollte immer die Mächtigen reizen und den „Elefant im Zimmer“. Dann muss zumindest mal renoviert werden.

Was liest Du derzeit?

Zunächst mal zwielichtige Börsenseiten. Börse ist nie bieder. Mein Tipp: Match Group. Läuft im Moment so gut wie meine Dates, aber die kommt wieder.

Und dann „Phettbergs Predigtdienst“ im Falter. Der letzte echte Humus in einer Welt voller Bullshit und synthetischer Scheiße. Oder guckt euch an, wie Hermes Phettberg in seiner „Nette Leit Show“ Peter Kern küsst. Obwohl der kein Jeansboy ist. Das gehört zum Schönsten, was je den Äther streifte.

Wie auch mein „Lieblingsbuch“: Cora Frost. Theater, Konzert, online – wo immer ich es öffne, ich fühl mich nicht mehr lost.

Man vergisst ja manchmal, es zu sagen: DANKE.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir sind ja auch dumm. Allesamt. Der eine Teil gewissermaßen von Natur aus, ohne alle Anstrengung. Der andere Teil nach einem sehr aufwendigen, sehr anstrengenden Curriculum.“ Die einarmige Taube

Vielen Dank für das Interview, lieber East Princess, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte, und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Das Interview ist hier erschienen: literaturoutdoors

Fast geschafft

Die Backform eingefettet
Den Kessel aufgesetzt

Das Tor geöffnet
Die Ankunft geschätzt

Das Kleid bereitgelegt
Die Auffahrt gefegt

Das Abenteuer eingeräumt
Das Hindernis erkannt

Den Mut aufgebracht
Das Vorhaben benannt

Den Ertrag errechnet
Das Glück geträumt

Das Wesentliche kurzgefasst
Das Manuskript gedruckt

Das Notwendige angemahnt
Die Kröte geschluckt

Ein Leid geschaffen
Das Begehrte begafft

Mit den Füßen geschart
Die Waffe scharfgemacht

Die Mächtigen gewarnt
Die Ängstlichen angefacht

Leidenschaft geplant
Die Unschuld gut bewacht

Die Illusion gerettet
Das Undenkbare verlangt

Den Zugangscode
Ein Rettungsboot

Und als niemand kam
Es selbst gemacht

Ein Vermögen angespart
Ein Vermögen verwettet

Das Wagnis gewagt
Zweifel: unangebracht

Hirnverbrannt
Bewusstsein erlangt

Das Falsche fortgeleitet
Die Fragen befragt

Den Exzess studiert
Demut offenbart

Die Wogen geglättet
Den Feind umarmt

Das Schicksal pariert
Farbe bekannt

Das Unbekannte angelächelt
Das Bekannte ausgelacht

Über den Rand gezeichnet
Bunt ausgemalt

Den Entwurf gespeichert
Im Ordner Neue Ideale

Den ersten Stein gesetzt
Ein Zeichen

Ich liebe dich gedacht
Alles Wichtige

Den Anker geworfen
Die Leinen gekappt

Den Hafen befestigt
Die Freiheit bewahrt

Die Hände gewaschen
Das Richtige getan

Und das legitime Illegale
In Lavendel und Vanille

Der Weg ist das Ziel
Überleben

Freier Wille
Du kannst fliegen

Vorstoß

Am Schreibtisch
Ein neuer Kollege
Ich beuge mich über ihn
Mh, du riechst gut
Ich rieche gar nichts
Das PDF findest du dort
Ich greife die Maus
Seine Haut ist sehr zart
Hier in der Dropbox
Mein Pulsschlag ist hoch
Im Monat März
Haar streift meinen Bart
Doppelklick
Warte, nein da
Maus rutscht vom Tisch
Oh, Verzeihung
Auf sein linkes Bein
Bootcut, ganz warm
Es tut mir so leid
Und noch weiter hinab
Er spreizt die Beine
Der Boden ist hart
Ich taste, er auch
Au, was ist das
Ein Dorn, eine Rose
Die sich öffnet
Duftend, tiefrot
Was tust du
Ich drücke sie an sein Herz
Er atmet tief ein
Ich lege meinen Kopf
In seinen Schoß
Atem berührt mein Ohr
Du bist famos

Ein Durst so fürchterlich

Es ist spät um zehn am Abend
Der Fahrstuhl bleibt stehen
Auf ein Viertel dimmt das Licht
Drei Kerzen entzünden sich

Oh, wir stecken fest

Ich biete meine Schulter an
Schuldig meiner Pflicht
Die Wange auch, Haut an Hau
Ich küss dich wie versehentlich

Verzeihung, es tut mir leid

Mein Kinn liegt am Kragen auf
Atem bürstet die feinen Haare
Ich habe das nicht geplant
Hilfst du mir beim Gürtel?

Ich blicke in seinen Blick

Übergroße helle Augen, Lächeln
Zahnlücken, Wahnsinnsglück
Blasse Waden, fester Rumpf
Der Strickpullover fällt

Sein Haar ihm ins Gesicht

Eine Hand hebt die Wäsche
Bauch an Bauch an Lust
Der Duft von Aftershave
Mein Bart streift sein Gemächt

Wir atmen, keiner spricht

Ich fasse seine Fesseln
Ein Tropfen rinnt abhin
Seine Backen öffnen sich
Er hebt ein Knie in meinen Schritt

Ich drücke den Alarmknopf

Wir lassen alles los
Der Aufzug sackt hinab
Wändebeben, Wadenzittern
Ein Docht versinkt im Wachs

Der Kundendienst ist unterwegs

Sein Blick glimmt ernst
Ich halte stand
Ein Zauber hält das Band
Und er sagt Ich liebe dich

Eine Träne füllt den Moment

Ich trinke ihn und er mich
Ins Dunkel reitet ein Held
Die Finsternis verbrennt
Wir tränken uns am Licht

Ein ungeheures Feuer
Ein Durst so fürchterlich