TRUST

Ein überzeugendes Stück von Falk Richter und Anouk van Dijk, voller Kraft und Leidenschaft, revolutionär geneigt.

TRUST, das halb getanzt, halb gesprochen und in beiden Formen zu annähernd 100% ausgeformt erscheint, handelt vordergründig von zwischenmenschlichen Beziehungen, genauer gesagt jenen schlimmen Dingen, die sich Partner antun. Was hier stimmt, das ist dort – in der Frage des kapitalistischen Wertesystems – nicht weniger richtig. Und die Metapher funktioniert. Ein selten humorvolles Stück ist dabei herausgekommen. Was viele kaum zu denken wagen, wird hier zum eigentlichen Thema: Finanzjongleure haben unser kapitalistisches System und den Glauben daran stärker und nachhaltiger zerstört als es sich die RAF in kühnsten Träumen ausmalen wollte.

Was kann ich tun? Soll ich mir ein Che Guevara Shirt bei Prada kaufen und damit über den Kudamm laufen? Wer solche Fragen stellt, will seine Ohnmacht nicht verschweigen; und dann gibt es da noch die Last der guten Vorsätze und Gedanken, die schlauen Bücher im Keller, die – gelesen – in ihrer Gesamtheit schwer wie Blei auf dem Einzelnen lasten.

Das durchaus heterogene Publikum quittiert diese Neigung zur Wahrhaftigkeit mit warmem Zwischenapplaus und tosenden, lang anhaltenden Ovationen, die mir nur noch aus anderen, das gleiche Thema behandelnden Aufführungen bekannt sind. Überraschend scheint, wie sehr sich auch offenkundig gutsituierte Theaterzuschauer den Kapitalismus vom Halse wünschen. Die Menschen im Publikum machen sich quasi Mut, es zu schaffen, doch tun sie am Ende vielleicht doch nur das, was ihr Gewissen von ihnen erwartet: Sich darin versichern, dass s i e ja nicht mitmachen in diesem Spiel, welches sie allerdings gerade gewinnen?

TRUST, Schaubühne Ein Projekt von Falk Richter und Anouk van Dijk TRUST

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