Kunstwerkaktivierung

Unter dem vielmeinenden Titel „Transport“ zeigt eine Ausstellung im Foyer der Kunsthochschule Weißensee die neuesten Kunstvorschläge der Damen und Herren Johannes Bidmon, Manuel Kirsch, Marlene Burz, M. A. D., Moreen Vogel, Nina von Seckendorff, Nora Arrietta und Pauline Faucheur.

Anlässlich der Eröffnung und zum Zwecke der Sinnstiftung sowie Bestimmung seiner kunsthaften Expressionen hatte der künstlerische Nachwuchs geistliche Verstärkung eingekauft. Der transportable freiberufliche Heilpraktiker und Diplomökologe Manuel Breuer anerbot schamanisches Geschick, und fertig war die Laube.

Der Reihe nach wurden die im Raum befindlichen hölzernen Transportkisten von einem fachkundigen Kunstjüngling per Akkuschrauber geöffnet und damit auch den umstehenden Schaulustigen visuell eröffnet. Kurz darauf näherte sich dann der spiritistische Praktiker dem jeweiligen Kunstkisteninhalt und schwenkte würzigen Weihrauch. Hernach aktivierte der sachverständige Stadtschamane vermittels ritueller Klänge und Gesänge, Tänze und Anschauungsmomente die in den Kisten befindliche Kunstwerkware. Ihrerseits steht einer sinnvollen Existenz nun also nichts mehr im Wege.

Im Anschluss an gewiss nicht unverdienten Applaus reichte man dem vom Kunstschamanismus noch ungesättigten Publikum Salz an Stangen zu Wasser und Wein. Derweil legte der Transportschamane Maske und Federschmuck ab und kehrte zurück ins Reich der Scharlatanerie.

„Wenn Etwas den Ort wechseln soll, dies aber nicht aus eigener Kraft oder aus eigenem Willen tut, wird die Reise zum Transport. Die Transporthülle schützt das transportierte Gut vor äußeren Einflüssen oder die Außenwelt vor dem Transportgut. Sie verbirgt ihren Inhalt vor unseren Blicken. Deswegen können wir unsere Ahnungen ins dunkle Innere der Hülle projizieren, bis das Öffnen der Transportkiste scheinbar Klarheit bringt. Aber was ist eigentlich angekommen? Transportiert ein kultischer Gegenstand das Ritual, für das er geschaffen ist? Lässt sich ein Kult verschiffen? Gibt es einen blinden Passagier? Oder sehen wir Gespenster?“ www.kh-berlin.de

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