Die Kunst des Redens über die Kunst

Einem überraschenden Entree folgt eine treffende Analyse des Kunstbetriebs in satirisch-dichterischer Sprache, verkopft und überdicht.

Der Theaterdiscounter nimmt die erfolgreiche Eigenproduktion „Torquato Tasso“ wieder ins Programm. Das Literaturdrama wird vom Fürstenhof in die heutige Berliner Kunstszene versetzt. Aus dem Hofdichter des mäzenatischen Fürsten wird der seine Ausstellung eröffnende Shooting Star seines Galeristen. Mit Reden darüber, was Kunst eigentlich soll, fiebert man der Vernissage als Nagelprobe für den Markt entgegen.

Setzt Goethe noch auf den Selbstwert retardierender Reflexion über Kunst, finden wir mit wenigen Ersetzungen im Text verblüffende Kommentare auf die Verwertungslogik von Kunstproduktion heute. Man lauscht Kuratoren, Kunsthändler und Messegaleristen in Goethes Worten das Marktgeschehen analysieren. Demgegenüber erklärt der Künstler Tasso nichts anderes als sein Werk und seinen Schaffensprozess zum einzigen verbindlichen Wert, wenngleich Liebe und Erfolg, Privatleben und Bonität dafür zu opfern sind.

Die Inszenierung des Torquato Tasso wurde von der Diskussion über die Ausstellung based in Berlin 2011 inspiriert. An der Situation freier Kunstschaffenden aller Sparten hat sich seither wenig geändert. Mit allen Akteuren gemeinsam kämpft auch der Theaterdiscounter um eine Verbesserung der Strukturen der Freien, zum Beispiel aus den Einnahmen der City Tax. Nur durch eine Anpassung der Förderstrukturen jetzt kann die kulturelle Zukunft der Stadt aktiv gestaltet werden.

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