Mauer, Zäune, Zombies

Passierte es doch gerade tatsächlich: In meiner Straße begegnete ich, auf dem Weg zum Rewe, gleich drei Berufsfaschisten – Christian, Angela und Klaus sind ihre Namen –, Präsident, Kanzlerin und Bürgermeister heißen sie sich, regieren und repräsentieren, halten geschichtsverzerrende Reden, laben sich an der Macht der Vielen, der Ohnmacht der Wenigen.

Heute, am alljährlichen Mauergedenktag, da standen jene drei nämlich auf der Festbühne der Mauergedenkstätte an der meinen Weg kreuzenden Bernauer Straße und sprachen ganz aufgeregt über einen „Unrechtsstaat“. Natürlich meinten sie damit keinen Staat, in dem sie bestimmen, was Recht und was Unrecht ist. Dennoch: Differenzierungsvermögen suchte man in ihren Reden vergeblich. Der alte Trick, sich selbst als moralisch unbefleckt zu verkaufen, indem man die Unmoral anderer pauschalisiert, ging einmal mehr auf.

Doch wer eindimensional über einen vieldimensionalen Teil der Geschichte urteilt, befördert damit auch faschistoid-autoritäre Denkweisen. Gleichwohl, wir wären naiv, etwas anderes zu erwarten. Christian, Angela und Klaus sind qua ihres Amtes nicht nur dazu berufen, sondern auch darauf angewiesen, Autoritätsgläubigkeit zu schüren – und wie könnte das besser gehen, als nach dem vielfach erprobten Motto: Recht hat immer der, der grad die Macht hat, zu bestimmen, was Recht ist.

Ostprinzessin

PS: Da sage noch einer, er wolle keinen „antifaschistischen Schutzwall“ – keine Mauer! Am besten 3 x 3 Meter im Quadrat, mit ‘nem Guckfenster für Touristen.

„Nur um dich zu beschützen ist die Mauer so hoch, Und das Tor immer zugesperrt.“
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Wie stehst Du zur DDR?

Ich bin mir bewusst über Freud und Leid vor und hinter der Mauer. Freunde haben mir vielfältig davon berichtet. Es gab viele Unmenschlichkeiten und es gab viele Menschlichkeiten und Gerechtigkeiten, die es heute so nicht mehr gibt. Die Toten von damals aber mahnen uns – die Verhältnisse heute allerdings auch. Aus einer Mauer wurden tausend Zäune!

(aus: 7 Fragen eines Praktikanten)

0 Antworten auf „Mauer, Zäune, Zombies“

  1. Tja, das Gold liegt wohl hinter immer höheren Mauern, der König sitzt brütend darauf und die Gefahren steigen so wie die Börsenkurse crashen.

    1. Ich wünschte, dass ich das meinen wollen könnte. Doch ich denke, es handelt sich tatsächlich um die Macht der Vielen, die – auch Volk genannt – recht erfolgreich, sprich folgsam, ihren Vorbetern folgen; und genau daran laben diese sich. Die wenigen Anderen leben in Ohnmacht angesichts der Macht der Vielen.

      Ich trau keinem Volk.

      „Demokratie ist nichts anderes als das Niederknüppeln des Volkes durch das Volk für das Volk.“ Oscar Wilde

  2. LOL – das von Dir weiter oben verlinkte Video ist mit Abstand der lustigste Kommentar zum aktuellen Standardthema. Nur hätte ich mir gewünscht, daß die strahlende, mit erhobenen Händen auf die Wiese hinausschreitende Siegerin/Sängerin anschließend im morastigen Untergrund versinkt. (So hätte ich das zumindest dargestellt.)

    1. Einfach schwups… weg!? Ja, fänd ich ausgesprochen lustig! Wir können es ja nochmal drehen, diesmal mit meiner hoheitlichen Wenigkeit in der Hauptrolle, am besten kurz vorm Richtfest des Stadtschlosses. Die Versinken-Szene drehen wir dann im Lustgarten.

  3. viehtscho: da kriegt man ja nen riss inna milster, alda!

    schenkste mir die cd? bidddäää recht sehr!

    selon mon avis, opri, holdester, sollte man froh sein, dass die sog. massen eben grad keine macht nicht haben, auch wenn viele links sich dünkende der meinung sind, das plebiszitäre fordernd fördern zu müssen und letztlich derart eine reise retour ins völkische beschleunigen. leute aus deinem dünstenden kreise, btw., würden hernach zuhauf gelyncht inna spree versenkt. ohne media, mit betonsockel anne füß`.

    man sollte vox populi nicht verwechseln mit tatsächlicher macht, die repräsentative democracy hat bisweilen auch ihr gutes: der mob hat “macht” eigtl. nur temporär bei eisern union. und danach inna tram.

    es geht wohl eher ums dumpf affirmativ-akklamative, das allein ist freilich furchterregend genug, ist es nicht?

    so eint letztlich tatsächlich die ohnmacht die vielen vor den wenigen, die den ladenschlüssel füre welt haben.

    bei dem iren war und bin ich mir nie so recht sicher g´west, ob der wilde o nu ein salon-commie oder ein anhänger des 3-klassen-wahlrechts war…

    unsincerely mit bestgreetz

    dein rönnie

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