Good Bye, Future!

Ein charmantes, wundersames Gebäude an der Pappelallee im Prenzlauer Berg, in welchem bis in diese Tage hinein der sich auch als „Bar im Fortschritt“ titulierende Klub der Republik residiert, wird abgerissen. An seiner statt entstehen Eigentumswohnungen à la absoluter Langeweile.

Das unter totalen Verwertungskriterien nicht optimal genutzte Areal wird damit nicht nur um eine der letzten mehr oder minder subkulturellen Institutionen im Prenzlauer Berg bereinigt, sondern vor allem auch um herausragende geschichtliche Zeugnisse, spannende Architektur und ein Stück Moderne, die man in weiten Teilen des Bezirks künftig leider überhaupt gar nicht mehr antreffen können wird.

Dass die zuständigen Stellen in Bezirk und Senat qua ihrer allmächtigen Inkompetenz die Bedeutung solcher Kleinode nicht zu erkennen vermögen, wissen wir seit etlichen Jahren. Allerdings kommen wir mittlerweile kaum umhin, neben der außerdem längst diagnostizierten Herzlosigkeit, der Korruption, Vetternwirtschaft und fataler Interessenspflege auch auf eine tragische Gehirnarmut schließen zu müssen. Denn die von Amts wegen bestellten Missetäter schneiden ins eigene Fleisch und dies wird Berlin zwangsläufig zu spüren bekommen.

Die mittel- und langfristigen Folgen der kurzfristigen Verwertungslogik erschüttern das Fundament der Stadt und bedeuten nicht weniger als einen Abgesang auf den Mythos Berlin. Der Verlust von kulturellen, historischen und architektonischen Alleinstellungsmerkmalen schadet der zukünftigen Entwicklung des Stadtkörpers ebenso wie sie ihm die Seele aus dem Leib reißt. Die selbstverantwortete Verantwortungslosigkeit, mit der wir konfrontiert werden, ist freilich durch nichts zu entschuldigen. Dass sich die Verantwortlichen in der Politik einer wachsenden Verachtung nicht allein ihrer Personen, sondern auch der sie verantwortenden Institutionen ausgesetzt sehen, ist ein hausgemachtes Problem.

Der kalte Abriss des Klub der Republik ist ein Armutszeugnis der Berliner Politik und ein Mahnmal der sogenannten Aufwertung. Mit dem sympathisch unaufdringlichen, in seiner Klar- und Schönheit überzeugenden Bauwerk, in welchem zu DDR-Zeiten der heute über eine erstaunlich ungesicherte Außentreppe zu erreichende Ballsaal der Produktionsgenossenschaft des Handwerks eingerichtet war, wird ein weiterer wichtiger Ort aus der Zukunft der Stadt getilgt. Good Bye, Future!

Ostprinzessin

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