Eisfabrik vs. Eisiger Kapitalismus

Der Berliner Senat und der Bezirk Mitte halten weiterhin die Tür weit auf für sinnlose, scheußliche Büroneubauten: Gegenüber des autonomen Kultur- und Wohnzentrums Köpi plant die Treuhand (TLG) den Abriss der unter Denkmalschutz stehenden Eisfabrik. An ihrer Stelle soll im Rahmen des Mediaspree-Projekts ein formschöner Büroneubau entstehen. Angesichts des Leerstands – gerade auch in der unmittelbaren Umgebung (Trias u. a.) ist dies als ein mehrfach blind-ignorantes Vorgehen zu werten.

Die zur Eisfabrik gehörenden Wohnhäuser sollen luxussaniert werden. Wie von Leuten aus dem Haus bekannt geworden ist, sollen sie durch verschiedene mündliche Aussagen der TLG verunsichert werden. Reparaturen an den Dächern der Wohnhäuser werden zugesagt, aber nicht umgesetzt. Die Hausgemeinschaft aber ist gewillt, den Abriss der Eisfabrik zu verhindern und die beeindruckenden Maschinen und die schöne Architektur der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dazu einen noch zu schaffenden Weg an der direkt angrenzenden Spree einzubeziehen.

Ideen zum Erhalt und Vorschläge zur Nutzung sind sehr willkommen. Der hässlichen Stadtumstrukturierung soll etwas entgegengesetzt werden – für eine öffentliche Nutzung des Spreeraums.

Weitere Informationen:

www.berlin-eisfabrik.de
www.ms-versenken.org (Initiativkreis Mediaspree Versenken)

Endzeitpoesie

Berlin ist – wie wohl alle Orte des Ostens – voller Poesie. An vielen Orten wird diese auch in den nächsten Jahrzehnten wie konserviert erscheinen, an vielen anderen Orten wird die noch verbliebene Poesie schon bald durch Investoren-Charme ersetzt werden. Noch aber gibt es – selbst im neo-kolonialisierten Prenzlauer Berg – viele Orte von bezauberndem Verfall:

Endzeitpoesie.

The – tatsächlich – Fabulous Singlettes

Okay, die Karten waren gewonnen. Das Tipi am Kanzleramt gehört nicht zu den Orten, an denen wir uns gern aufhalten wollen. Eigentlich. Das liegt an der eher unpersönlichen Atmosphäre, den schlechten Plätzen in den schlechteren Sitzkategorien und auch daran, dass hier überwiegend ein Publikum erwartet wird, dass sich – kurz gesagt – mehr auf der Suche nach einem Event als auf der Suche nach Kunst befindet.

Doch diesmal ist Tauwetter angesagt, denn die Fabulous Singlettes aus Australien sind einfach sympathische Personen, trotz oder gerade wegen ihrer Unterhaltungsschau, die sie zu den zahlreichen Songs der vergangenen Jahrzehnte präsentieren. Im Grunde imitieren die drei Frauen unterschiedlichen Alters die guten Drag Queens der Welt: Überzeichnung der Wirklichkeit und Trash pur, ausgefallene Kostümierung und intelligente Überleitungen, dazu wirklich gute Stimmen und die Lust an der Inszenierung.

Zudem erscheinen die Damen als durchaus ernst und reflektiert, die zur Schau gestellte Oberfläche wirkt nicht oberflächlich, sondern hintersinnig, so dass auch eine ausgewiesene Emanze wie die Ostprinzessin kaum ein Haar in der Emanzipations-Suppe finden mag. Auch eine kurze Herzblatt-Show zwischendurch managen die fabulösen Singdrosseln souverän. Die drei zu diesem Zweck aus dem Publikum verschleppten Herren bestechen zwar äußerlich durch eine gewisse Ähnlichkeit, könnten aber verschiedener kaum sein: Ein jovialer Anwalt, ein putziger, sprechbehinderter Frührentner und ein schwuler Coiffeur, der am Ende vom zugeneigten Publikum zum Sieger geklatscht wird, auch weil er auf die Frage, wie er Angela Merkel – nebenan im Kanzlerinnenamt – verführen würde, nach längerer Überlegung zur Antwort gibt: „Ich glaube, das funktioniert bei mir gar nicht.“ Das kommt beim offenbar auf kleine Sauereien erpichten Publikum in seiner schlüpfigen Interpretation an.

Berlin ist eben schwul. Ist ja auch gut so. Die drei entspannten Künstlerinnen jedenfalls wollen es wissen – 5 Wochen am Stück – und machen offensichtlich nicht schlapp. Auch die Musik wird live gespielt und reißt dann durchaus vom Klappstuhl.

Mehr Show geht nicht. Fabelhaft! „It’s My Party…!“ noch bis zum 12. August.

TIPI Zelt am Kanzleramt The Fabulous Singlettes It's My Party

Menschenkette gegen Behördenwillkür

An den Kreuzberger Ufern des Landwehrkanals formierten sich gestern Menschenketten mit etwa 1.500 Leuten. Das Schifffahrtsamt hat indes bereits eingelenkt und wird wohl keine weiteren Bäume fällen. Trauen sollte man diesen Ankündungen angesichts der bisherigen Erfahrungen allerdings lieber nicht. Ursprünglich sollten 400 Bäume weichen, weil die Ufer saniert werden sollen. Ein Teilstück eines Anlegers war in den Kanal gerutscht. Das alternative Anketten der Bäume käme angeblich teurer als die Abholzung.

Jedenfalls hatten sich daraufhin einige Kreuzberger ihrerseits an die Bäume gekettet und die Medien der Stadt hatten bereitwillig vom Kreuzberger Aufbegehren berichtet. Die Begehren gegen Privatisierungen hingegen werden weiterhin der Öffentlichkeit gegenüber verschwiegen. Dennoch oder gerade deshalb sammelten heute einige Aktivisten am Rande der Menschenkette Unterschriften für die Volksbegehren. Der Zuspruch war groß und die Leute von der Bäume-Ini begrüßten bereits im Vorfeld das Engagement der KollegInnen.

Blick von der Admiralbrücke Eine Kette bilden... länger und länger... ...und auch zur Kottbusser Brücke

Bäume gehen immer

Die Initiative „Bäume am Landwehrkanal“ hat innerhalb kürzester Zeit geschafft, wovon Andere nur träumen können: 20.000 Unterschriften gesammelt. Das Thema „Baum“ erhitzt die Gemüter und vereint die Massen wie kein anderes. Und natürlich irren wir nicht, wenn wir fordern: Unsere Bäume bleiben! Für morgen ist eine Menschenkette geplant. Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, nebenher auch Unterschriften gegen Privatiserung zu sammeln, denn auch die Initiatorin der Volksbegehren irrt wohl nicht, wenn sie fordert: „Unser Wasser. Unsere Sparkasse. Unsere Unis.

Google indessen steht unter Druck: Das vergangene Jahr hat einen Gewinnzuwachs von 28 % gebracht. Das ist entschieden zu wenig und außerdem hat Google auch noch exzessiv Personal eingestellt! Folge: Die Aktie verliert um fast 7 %.

Was fällt uns dazu ein?

Menschenkette gegen Kettensägen Zeigt, wer Ihr seid und was Ihr könnt.