42 % mehr Liebe

Transgenialer CSD 2012, von Treptow über Neukölln zum Heinrichplatz in Kreuzberg.

Fotos: Westmonster, Ostprinzessin

Schwere Vorwürfe gegen Carsten Joost

+++ INITIATIVKREIS MEDIASPREE VERSENKEN! AG SPREEUFER +++

Aufgrund systematisch unsachgemäßer sowie intransparenter Kassenführung ist Carsten Joost als Mitglied und Repräsentant der Initiative „Mediaspree Versenken!“ bzw. der „AG Spreeufer“ nicht mehr tragbar. Er ist ab sofort aus dem Initiativkreis Mediaspree Versenken! AG Spreeufer ausgeschlossen, die Ausübung jedweder Funktionen und Aufgaben im Namen der Initiative ist ihm untersagt. Trotz der prekären Situation von Carsten Joost ist dieses Handeln in keiner Weise entschuldbar und der dadurch entstandene Schaden für die Initiative und die gesamte Kampagne erheblich. Das Vertrauensverhältnis zu Carsten Joost sehen wir daher als irreparabel beschädigt.

Zukünftig von der Kontaktadresse [email protected] versendete Emails sind nicht durch die Initiative legitimiert. Sollten Sie/Solltet Ihr dennoch Emails von dieser Adresse empfangen, dies aber nicht wünschen, raten wir zur entsprechenden Konfiguration des Spamfilters. Auch die Website www.ms-versenken.org wird vorübergehend abgeschaltet.

Wir entschuldigen uns bei allen, deren Vertrauen in die Initiative durch Carsten Joost missbraucht wurde. Mit dieser Stellungnahme möchten wir dazu beitragen, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Wir sind der Meinung, dass der offensive Umgang mit Unstimmigkeiten und Unzulänglichkeiten gerade in basisdemokratischen und ehrenamtlich geführten Initiativen unumgänglich ist.

Die aktuelle Entwicklung erfordert selbstverständlich eine Neustrukturierung der Initiativarbeit, die wir nun gerne anpacken möchten – mit dem Ziel, kritische und konstruktive Beiträge zur Umsetzung aktueller stadtpolitischer Forderungen einer nachhaltigen und partizipativen Stadtentwicklung zu leisten.

Vorübergehend sind wir unter der Adresse [email protected] erreichbar.

Wir bedauern diesen Umstand außerordentlich!

Mit freundlichen Grüßen,
Initiativkreis Mediaspree Versenken! AG Spreeufer

Berlin: Moderne vor dem Todesstoß?

Das Konsistorialgebäude, ein Y-förmiges, silbergraues Hochhaus mit Soft-Edge-Fenstern, soll im Herbst abgerissen werden. Zuletzt hatte es Pläne gegeben, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Evangelischen Kirche, das zwischen 1968 und 1971 im heute weltweit gerühmten Hansaviertel errichtet wurde, mit Eigentumswohnungen auszubauen und ihm dabei eine Putzfassade zu verpassen. Zumindest dies wird dem Schmuckstück mit der einzigartigen Aluminiumfassade nun wohl erspart bleiben.

Das Evangelische Konsistorium an der Bachstraße in Berlin-Tiergarten gilt als herausragendes Beispiel einer ganzen Architekturepoche, deren Zeugnisse akut gefährdet sind, da ihre Denkmalwürdigkeit von vielen Verantwortlichen noch immer nicht erkannt wird. So erscheint es kaum verwunderlich, dass auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) sich diesbezüglich wieder einmal von seiner schlechtesten Seite zeigt und das Denkmal der späten Moderne zum Abriss empfiehlt. Damit aber bewegt er sich ganz und gar auf der Linie des Berliner Senats, der kaum eine Gelegenheit auslässt, der in den 50ern, 60ern und 70ern des vergangenen Jahrhunderts erschaffenen und in Betrieb genommenen Moderne ihre Fortexistenz zu verwehren. Restauratorische Blockrand-Mentalität könnte somit einmal mehr über die Werte denk-(!) und denkmalwürdiger Moderne triumphieren. Freuen dürfte dies in erster Linie die Investoren, die damit die maximale Ausnutzung des Grundstücks erreichen.

Zu ihrer jeweiligen Entstehungszeit erzeugen Neubauten durchaus erheblichen Verdruss und Widerstand bei den Menschen, zumal dann, wenn mit ihrem Aufbau auch ein Abbau alter, lieb gewonnnener Bauten verbunden ist. Diesem Empfinden und der damit einhergehenden Opposition schließe ich mich grundsätzlich an. Hinzu kommt für mich folgender Gedanke: Seit vielen Jahren bereits leben wir in einer Zeit bzw. an einem Ort, an dem Neubauten nicht mehr benötigt werden und daher auch nicht mehr mit der vermeintlichen Vernunft des reellen Wachstums begründbar sind.  Stagnation bzw. der Rückgang der Bevölkerung bei gleichzeitigem Leerstand zahlloser Gebäude aller Epochen seit der Gründerzeit sollte uns alle zu einem Innehalten mahnen. Der (andernorts) durchaus bereits wertgeschätzten Moderne der 50er, 60er und 70er sowie der ihr folgenden Zeit der frühen 80er mögen wir unser Herz schenken (!) – und unsere Macht spielen lassen -, solang sie noch nicht vollständig dem Effizienzdenken heutiger Zeit anheimgefallen ist, denn sonst wird sie uns und Künftigen allenfalls in der (verblassenden) Erinnerung erhalten bleiben.

Ostprinzessin

PS: „Architekten für Architekten“ (AfA) hat einen Offenen Brief verfasst und eine „Petition für den Erhalt des ehemaligen Konsistoriums im Hansaviertel“ initiiert: Hier unterzeichnen!

„Die Nachkriegsmoderne benötigt dringend Fürsprecher, sonst ist sie in ein paar Jahren verschwunden.“
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Offener Brief an:

Hilfswerk-Siedlung GmbH
Evangelisches Wohnungsunternehmen in Berlin
Herrn Jörn von der Lieth, Geschäftsführer
Tollensestraße 34
14167 Berlin

Berlin, 29. Juli 2011

Abrissmoratorium für das ehemalige Konsistorium der Berliner
Architekten Georg Heinrichs und Hans-Christian Müller

Sehr geehrter Herr von der Lieth,

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist Mehrheitsgesellschafter der Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS), der die Liegenschaft des ehemaligen Konsistoriums, zentral gelegen an der Bach- Ecke Altonaer Strasse am nördlichen Rand des Hansaviertels gehört.

Damit ist die Landeskirche zumindest “moralisch” und ihr Tochterunternehmen HWS in vollem Umfang verantwortlich für den geplanten Abriss des ehemaligen Konsistoriums, 1968-71 entworfen und erbaut durch die Berliner Architekten Georg Heinrichs und Hans-Christian Müller.

Das Gebäude mit seiner charakteristischen Aluminiumfassade und dem originellen Y-förmigen Grundriss stellt ein baukulturelles Zeugnis seiner Zeit dar. Es ist von hohem städtebaulichen und architektonischen Wert und damit von überregionaler Bedeutung für die Stadt Berlin.

Der Projektvorschlag der HWS sieht für dieses Grundstück eine 5 bis 6-geschossige Blockrandschließung mit einer teilweisen Öffnung zum Schleswiger Ufer / zur Spree, sowie eine Nutzungsmischung von Gewerbe und einem hohen Anteil an „Single-Wohnungen“ vor. Dies entspricht billigen Investoreninteressen auf dem Berliner Immobilienmarkt.

Die Pläne der HWS, das ehemalige Konsistorium sinnlos abzureißen und durch eine massiv wirkende Blockrandbebauung zu ersetzen, stößt auf heftige Proteste von Fachleuten (z.B. Rat für Stadtentwicklung Berlin, Phase 1 Architekturbüro etc.), der Anlieger (z.B. Akademie der Künste, Apotheke im Hansaviertel etc.), der BVV Mitte und des Bürgervereins Hansaviertel e.V.. Letzterer engagiert sich seit seiner Gründung 2004 in einer Initiative zur Förderung der Berliner Bauten der Nachkriegsmoderne.

Wir sind der Auffassung, dass das ehemalige Konsistorium in ökonomisch vertretbarer Weise saniert und einer neuen Nutzung – z.B. Studentenwohnungen – zugeführt werden könnte. Zumal man zur Einhaltung der heute geltenden Energieeinsparverordnung sowieso die mängelbehaftete Aluminiumfassade abnehmen müsste und den originalen “Look” mit gedämmten Sandwich-Aluminium-Paneelen vor den völlig intakten Betonkern hängen könnte. Ein zusätzliches Treppenhaus und noch ein paar Kleinigkeiten und das schöne Baukulturdenkmal wäre wieder voll funktionsfähig!

Wir plädieren deshalb für ein Abrissmoratorium, um Zeit für kreative Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Mit freundlichen Grüßen
Architekten für Architekten (AfA)

SAGE – ein Heldenmärchen aus Kreuzberg

Die Heldin dieser Sage trägt viele hübsche Namen, drei davon könnten SAGE Res- taurant GmbH & Co KG, SAGE Bar GmbH und SAGE Entertainment GmbH sein.

SAGE – das wäre bei genauer Betrachtung ein ganz typischer Amüsierbetrieb für verträumte Normalverdiener, für den Berliner Geldadel und für echte Blaublüter, ohne konzeptionell erkennbare ethische Grundsätze zwar, aber doch mit karitativem Engagement – Sage Hospital e. V. -, welches in der „Gesellschaft“ ja bekanntlich zum guten Ton gehört, weshalb „die Schirmherren des Abends (…) der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Prinz Georg von Preußen“ seien und nicht etwa Heinz und Erna Meyer aus Spandau. Für den Stallgeruch jedoch lüde man sich Ben Becker und „die Berliner Cowboys The BossHoss“ („Do Or Die“) ein.

Und wenn man sich zu Unrecht in der Kritik seiner Mitmenschen sähe, weil diese sich Kreuzberg immer noch nicht so richtig als Business-Spielplatz einiger weniger Gewinner vorstellten, dann übe man sich in Diplomatie, denn die gehört zum selbstverständlichen Repertoire eines aufstrebenden, weltoffenen Unternehmers, weshalb man im Zweifel irgendwann auch mal „Punk der ersten Stunde“, „Hausbesetzer“, „Steineschmeißer“, vielleicht sogar Pirat, meinetwegen auch Papst gewesen sein könnte. Und wer hätte den Eurovision Song Contest gewonnen? Genau! Und die WM? „Kommt mit uns fiebern“, könnte man antworten, also: Deutschlandfähnchen nicht vergessen!

Ein Schelm, wer Böses dabei denke: „Traditionelle Speisen werden im SAGE Restaurant in überraschend neuen Gewändern präsentiert, die durch bestechende Frische und ungewöhnliche Zutaten einen jeden Gaumen bis in die Willenlosigkeit verführen.“

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Im Märchen würde am Ende das Gute über das Böse triumphieren, in der Wahrheit der nackten Realität ist alles etwas komplexer. Für den 5. Juni rufen kritische Mitmenschen zu einem Aktionstag auf: Auf zu neuen Ufern: Mediaspree entern!

Im Kampf um Befreiung?

Die DDR – Radikale Linke und der realsozialistische Versuch.

Mit Inge Viett (ehemals Bewegung 2. Juni und RAF), Thomas Waldeck (ehemals NVA, SED) und Herbert Mißlitz (ehemals Vereinigte Linke, linke DDR-Opposition). Eine Veranstaltung der Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB), deren Verbot zur Zeit – geheimgehalten – in Innenausschuss-Kreisen des Berliner Abgeornetenhauses diskutiert wird.

„Abhängigkeit, das wissen wir, endet in Unterwerfung oder im Kampf um Befreiung.”
„In der DDR hatten die Menschen ein höheres Niveau an Bildung, Solidarität und Humanismus.” (Inge Viett)

Artikel in Arbeit

Veranstaltung der ARAB im Kato Die DDR im Rückblick

Sonderabschuss

Die Initiative MediaspreeVersenken versenkt in diesen Minuten im Kreuzberger Rathaus den Mediaspree-Sonderausschuss „Spreeraum“.

In dem bezirklichen Ausschuss, der nach dem 87%- Bürgerentscheid „Spreeufer für Alle“ im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden war, hatte die Initiative zuletzt kein Land mehr gesehen. Die vorgebliche „Bürgerbeteiligung“ erkannte sie nun als Farce. Nach dem unfreiwilligen Abschied ihres Sprechers hatte die AG Spreeufer eine neue Bewertung der Lage erarbeitet, die zu dem folgerichtigen Entschluss führte, den „Ihr-wart-aber-ja-dabei“-Ausschuss zu verlassen.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz und seine grüne Fraktion haben, ebenso wie die mitregierende LINKE, die SPD-Fraktion und der Senat, in vielerlei Einzelentscheidungen immer wieder deutlich gemacht, dass sie nicht gewillt sind, das 87%-Votum der Bevölkerung gegen die Mediaspree-Planungen ernstzunehmen; sie haben sich einer konstruktiven Mitarbeit von Anfang an verweigert, nach außen hin aber immer den Schein des Handelns gewahrt. Der Sonderausschuss, in den die Initiative über mehrere „Bürgerdeputierte“ eingebunden wurde, sollte die Politik der minimalen Korrekturen legitimieren. Hinter vorgehaltener Hand gaben das Bezirksverordnete aller Fraktionen offen zu und wunderten sich vermutlich darüber, dass die Initiative den ganzen Spuk so engagiert, so hoffnungsvoll konstruktiv und so ernsthaft „mitgestaltet“.

Der aufrichtige Versuch, er ist gescheitert. Die Parteien-Politik, sie erweist sich als demokratieunfähig und -unwillig. Das Anliegen der Initiative, sowohl den Bezirk als auch den Senat in die Pflicht zu nehmen, die „Stadtentwicklung von Oben“, die andauernden Privatisierungen und den Verlust kommerzfreier sowie unbebauter Flächen zu stoppen, es sollte sehr bald untergehen. Das Hauptanliegen der Initiatoren, die Mietenexplosion, die Verdrängung und die „Aufwertung“ zu thematisieren und diesen profitgesteuerten, politisch geförderten Entwicklungen sogleich Einhalt zu gebieten, es lässt sich außerhalb der Mühlen der Beteiligungsmaschinerie glaubhafter vertreten. Die Parteischranzen in Amt und Würden, sie haben weiter an Glaubwürdigkeit verloren. Der den Gläubigen als Umarmung beschriebene Würgegriff, er hat heute seine Kraft verloren.