Mauer, Zäune, Zombies

13. August 2011

Passierte es doch gerade tatsächlich: In meiner Straße begegnete ich, auf dem Weg zum Rewe, gleich drei Berufsfaschisten – Christian, Angela und Klaus sind ihre Namen –, Präsident, Kanzlerin und Bürgermeister heißen sie sich, regieren und repräsentieren, halten geschichtsverzerrende Reden, laben sich an der Macht der Vielen, der Ohnmacht der Wenigen.

Heute, am alljährlichen Mauergedenktag, da standen jene drei nämlich auf der Festbühne der Mauergedenkstätte an der meinen Weg kreuzenden Bernauer Straße und sprachen ganz aufgeregt über einen „Unrechtsstaat“. Natürlich meinten sie damit keinen Staat, in dem sie bestimmen, was Recht und was Unrecht ist. Dennoch: Differenzierungsvermögen suchte man in ihren Reden vergeblich. Der alte Trick, sich selbst als moralisch unbefleckt zu verkaufen, indem man die Unmoral anderer pauschalisiert, ging einmal mehr auf.

Doch wer eindimensional über einen vieldimensionalen Teil der Geschichte urteilt, befördert damit auch faschistoid-autoritäre Denkweisen. Gleichwohl, wir wären naiv, etwas anderes zu erwarten. Christian, Angela und Klaus sind qua ihres Amtes nicht nur dazu berufen, sondern auch darauf angewiesen, Autoritätsgläubigkeit zu schüren – und wie könnte das besser gehen, als nach dem vielfach erprobten Motto: Recht hat immer der, der grad die Macht hat, zu bestimmen, was Recht ist.

Ostprinzessin

PS: Da sage noch einer, er wolle keinen „antifaschistischen Schutzwall“ – keine Mauer! Am besten 3 x 3 Meter im Quadrat, mit ‘nem Guckfenster für Touristen.

„Nur um dich zu beschützen ist die Mauer so hoch, Und das Tor immer zugesperrt.“
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Wie stehst Du zur DDR?

Ich bin mir bewusst über Freud und Leid vor und hinter der Mauer. Freunde haben mir vielfältig davon berichtet. Es gab viele Unmenschlichkeiten und es gab viele Menschlichkeiten und Gerechtigkeiten, die es heute so nicht mehr gibt. Die Toten von damals aber mahnen uns – die Verhältnisse heute allerdings auch. Aus einer Mauer wurden tausend Zäune!

(aus: 7 Fragen eines Praktikanten)

Berlin: Moderne vor dem Todesstoß?

8. August 2011

Das Konsistorialgebäude, ein Y-förmiges, silbergraues Hochhaus mit Soft-Edge-Fenstern, soll im Herbst abgerissen werden. Zuletzt hatte es Pläne gegeben, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Evangelischen Kirche, das zwischen 1968 und 1971 im heute weltweit gerühmten Hansaviertel errichtet wurde, mit Eigentumswohnungen auszubauen und ihm dabei eine Putzfassade zu verpassen. Zumindest dies wird dem Schmuckstück mit der einzigartigen Aluminium-Fassade nun wohl erspart bleiben.

Das Evangelische Konsistorium an der Bachstraße in Berlin-Tiergarten gilt als herausragendes Beispiel einer ganzen Architekturepoche, deren Zeugnisse akut gefährdet sind, da ihre Denkmalwürdigkeit von vielen Verantwortlichen noch immer nicht erkannt wird. So erscheint es kaum verwunderlich, dass auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) sich diesbezüglich wieder einmal von seiner schlechtesten Seite zeigt und das Denkmal der späten Moderne zum Abriss empfiehlt. Damit aber bewegt er sich ganz und gar auf der Linie des Berliner Senats, der kaum eine Gelegenheit auslässt, der in den 50ern, 60ern und 70ern des vergangenen Jahrhunderts erschaffenen und in Betrieb genommenen Moderne den Gar auszumachen. Restauratorische Blockrand-Mentalität könnte somit einmal mehr über die Werte denk-(!) und denkmalwürdiger Moderne triumphieren. Freuen dürfte dies in erster Linie die Investoren, die damit die maximale Ausnutzung des Grundstücks erreichen.

Zu ihrer jeweiligen Entstehungszeit erzeugen Neubauten durchaus erheblichen Verdruss und Widerstand bei den Menschen, zumal dann, wenn mit ihrem Aufbau auch ein Abbau alter, lieb gewonnnener Bauten verbunden ist. Diesem Empfinden und der damit einhergehenden Opposition schließe ich mich grundsätzlich an. Hinzu kommt für mich folgender Gedanke: Seit vielen Jahren bereits leben wir in einer Zeit bzw. an einem Ort, an dem Neubauten nicht mehr benötigt werden und daher auch nicht mehr mit der vermeintlichen Vernunft des reellen Wachstums begründbar sind.  Stagnation bzw. der Rückgang der Bevölkerung bei gleichzeitigem Leerstand zahlloser Gebäude aller Epochen seit der Gründerzeit sollte uns alle zu einem Innehalten mahnen. Der (andernorts) durchaus bereits wertgeschätzten Moderne der 50er, 60er und 70er sowie der ihr folgenden Zeit der frühen 80er mögen wir unser Herz schenken (!) – und unsere Macht spielen lassen -, solang sie noch nicht vollständig dem Effizienzdenken heutiger Zeit anheimgefallen ist, denn sonst wird sie uns und Künftigen allenfalls in der (verblassenden) Erinnerung erhalten bleiben.

Ostprinzessin

PS: „Architekten für Architekten“ (AfA) hat einen Offenen Brief verfasst und eine „Petition für den Erhalt des ehemaligen Konsistoriums im Hansaviertel“ initiiert: Hier unterzeichnen!

„Die Nachkriegsmoderne benötigt dringend Fürsprecher, sonst ist sie in ein paar Jahren verschwunden.“
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Offener Brief an:

Hilfswerk-Siedlung GmbH
Evangelisches Wohnungsunternehmen in Berlin
Herrn Jörn von der Lieth, Geschäftsführer
Tollensestraße 34
14167 Berlin

Berlin, 29. Juli 2011

Abrissmoratorium für das ehemalige Konsistorium der Berliner
Architekten Georg Heinrichs und Hans-Christian Müller

Sehr geehrter Herr von der Lieth,

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist Mehrheitsgesellschafter der Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS), der die Liegenschaft des ehemaligen Konsistoriums, zentral gelegen an der Bach- Ecke Altonaer Strasse am nördlichen Rand des Hansaviertels gehört.

Damit ist die Landeskirche zumindest “moralisch” und ihr Tochterunternehmen HWS in vollem Umfang verantwortlich für den geplanten Abriss des ehemaligen Konsistoriums, 1968-71 entworfen und erbaut durch die Berliner Architekten Georg Heinrichs und Hans-Christian Müller.

Das Gebäude mit seiner charakteristischen Aluminiumfassade und dem originellen Y-förmigen Grundriss stellt ein baukulturelles Zeugnis seiner Zeit dar. Es ist von hohem städtebaulichen und architektonischen Wert und damit von überregionaler Bedeutung für die Stadt Berlin.

Der Projektvorschlag der HWS sieht für dieses Grundstück eine 5 bis 6-geschossige Blockrandschließung mit einer teilweisen Öffnung zum Schleswiger Ufer / zur Spree, sowie eine Nutzungsmischung von Gewerbe und einem hohen Anteil an „Single-Wohnungen“ vor. Dies entspricht billigen Investoreninteressen auf dem Berliner Immobilienmarkt.

Die Pläne der HWS, das ehemalige Konsistorium sinnlos abzureißen und durch eine massiv wirkende Blockrandbebauung zu ersetzen, stößt auf heftige Proteste von Fachleuten (z.B. Rat für Stadtentwicklung Berlin, Phase 1 Architekturbüro etc.), der Anlieger (z.B. Akademie der Künste, Apotheke im Hansaviertel etc.), der BVV Mitte und des Bürgervereins Hansaviertel e.V.. Letzterer engagiert sich seit seiner Gründung 2004 in einer Initiative zur Förderung der Berliner Bauten der Nachkriegsmoderne.

Wir sind der Auffassung, dass das ehemalige Konsistorium in ökonomisch vertretbarer Weise saniert und einer neuen Nutzung – z.B. Studentenwohnungen – zugeführt werden könnte. Zumal man zur Einhaltung der heute geltenden Energieeinsparverordnung sowieso die mängelbehaftete Aluminiumfassade abnehmen müsste und den originalen “Look” mit gedämmten Sandwich-Aluminium-Paneelen vor den völlig intakten Betonkern hängen könnte. Ein zusätzliches Treppenhaus und noch ein paar Kleinigkeiten und das schöne Baukulturdenkmal wäre wieder voll funktionsfähig!

Wir plädieren deshalb für ein Abrissmoratorium, um Zeit für kreative Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Mit freundlichen Grüßen
Architekten für Architekten (AfA)

Regen? Regen!

4. August 2011

Traufe

Wirfst hinab zu uns, aus schwer
tragender Himmelwatte – Heil,
wir ankern an dunkler statt, von
Halt befreit, in Deiner Losigkeit!
Laternenschimmer, Farbenspiel
der Ampelleuchten, Widerschein
von Stubenhell im Abglanz des
Granitmassivs; Seen in Asphalt,
Katzenaugen hinter Fensterglas.
Ich flanier’ am Pflasterstrand –
wogender Blätter Blattgerausch,
Trommeln stürzender Tropfen
spielen zum Orchester auf; über
Häuserwände eilendes Blau –
nebelner Atem des Morgengrau,
ich fühle uns verbunden: Heiße
mich! Dein Tränenreich komme,
ja, ich will!

[ostprinzessin]

Herzensbrecher

19. Juli 2011

„Les Amours Imaginaires“ – ein etwas arg modisch geratener Film von Xavier Dolan.

Ihr Herz blieb stehen im Kampf

9. Juli 2011

Paff Meisi ist tot.

Maria Kwiatkowsky (*1985) war süß, sanft, zauberhaft – zartes Wesen und auch Macker, ließ sie uns teilhaben an undomestizierter Wahn- und Wahrhaftigkeit, an ihren Brüchen, ihrem kochenden Herz; in „torstrasse intim“ wuchs sie sich in meines. Sah ich sie im Film, so fasste ich Hoffnung für das ganze Genre.

Ihre wundersame Eigenförmigkeit tröstete mich über die Kenntnis der ihre und meine Generation überformenden Belanglosigkeit hinweg. Darum wird sie fehlen. Ihre Kunst bildete sie in schillerndsten Farben ab, und als sie vor einigen Jahren „aus privater und beruflicher Frustation“ eine Prenzlberger Kita anzündete, da trat sie aus sich heraus, um ihr Leben zu zeichnen.

Der Ehrwürdigkeit der Schauspielerin Maria Kwiatkowsky tat dies beileibe keinen Abbruch. Sie hatte ein Gesicht, ein zartes, ein sprechendes – so, wie sie es belebte, ließ es die Tiefe ihrer Virtuosität erahnen, sprach es von unvernünftigem, gleichwohl heilsamem Humor, von ihrem forschen Reißen, von reizvollen Rissen in makelloser Schönheit. Dem Leben zu nah gekommen, fand sie sich am Notausgang. Ihr Herz blieb stehen im Kampf.

THROUGH THE LOOKING GLASS

20. Juni 2011

Kunstausstellung in der Bar Kosmetiksalon Babette, Karl-Marx-Allee: Ennuyante Exponate, affirmativ, dekorativ, bemüht – viel Schein, wenig Sein, kühle Atmosphäre – kurzum: Business as usual; und dann, plötzlich… something magic. Immerhin.

„Magisches Spiel (Schiefer, Holz, Kreide). Ein Spiel ist ein System aus unveränderlichen Regeln, die für jeden Teilnehmer gleichermaßen gelten. Für gewöhnlich markieren diese Regeln auch den Anfang und das Ende des Spieles. Werden diese Konstanten doch verändert, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Spiel – zwischen Spieler und Spielfigur.“ Martin Maeller

 THROUGH THE LOOKING GLASS – Klasse Antje Majewski, Weißensee Kunsthochschule Berlin; Teil 1 mit: Hasan Aksaygin, Bianca Benenti, Charlotte Dualé, Friedrich Herz , Olja Koslova, Kui-Soon, Marie Letkowski, Daniela Macé Rossiter, Martin Maeller, Merlin Ortner, Marco Pezzotta, Johannes Regin, Betti Scholz, Julia Schramm, Maria Torres.

War Songs im Affenhaus

8. Juni 2011

Mary Ocher, von Ulrich Gutmair im Magazin Spex als „progressive, kosmopolitische und feministische Bohemienne“ bezeichnetes Individuum, kam in den King Kong Club und weinte erst einmal – noch lang vor ihrem Auftritt, bei dem Mary Ocher mit bisweilen reißender Herzkraft ihre war songs about „war and peace, but also social status, persecution and hints of nationalism and sexual abuse“ darbot und den ganz überwiegenden Teil des gebannten Publikums mit ihrer gleichsam anachronistisch wie avantgardistisch anmutenden Gesamtperformance bezauberte.

Die Berlinerin – geboren in Moskau als Mariya Ocheretianskaya, aufgewachsen in Tel Aviv, „disillusioned by the mainstream industry“ – blieb ganz bei sich, schien dabei mal nah, mal fern und verließ anschließend den Ackerkeller im Affenhaus in zartester Schüchternheit. Hierzu fühlte ich mich sofort analog – und: „So ausgedacht Mary Ochers Künstlerinnenpersona erscheint, so völlig echt ist sie auch. Vermutlich schockiert ihr Auftritt deshalb so: Hier traut sich eine, sie selbst zu sein“ (Gutmair).

Bogenregen

27. Mai 2011

Es wechseln die Zeiten

16. Mai 2011

Am Freitagabend hatte ich die Ehre, mit Gisela May in der Orangerie Oranienburg eine Strophe aus Brechts Moritat von Mackie Messer singen zu dürfen… a capella… thank YOU, Gisela!

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Paul Werner Wagner im Gespräch mit Gisela May.

Eine Veranstaltung der Friedrich-Wolf-Gesellschaft. „Kunst ist Waffe!“ (F. Wolf)

Sie gehört zu den wenigen Frauen, deren Namen man mit der sparsamen Beifügung „die“ verbindet. Frauen, deren Persönlichkeit Geschichte und Kunst gleichermaßen beschreibt: Die Dietrich, Die Weigel, Die Greco und eben Die May. Ihre Interpretation der Brechtsongs setzte Maßstäbe, auf der ganzen Welt sind ihre Schüler anzutreffen. Und im Osten überkommt einen ein Hauch von Überlegenheit, wenn man Gisela May auf der Bühne des Brecht-Theaters in den großen Rollen sah und nicht nur die „Muddi“ der beliebten Fernsehserie „Adelheid und ihre Mörder“.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne
Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.

(Bertolt Brecht)

Liebs Giselschen, flieg mer net zum Himmel nauf, isch weiß ja net, ob Du wieder nunnerkommscht! (Ferdinand May)

Grand Prix der Fahrstuhlgesänge

13. Mai 2011

Heute: La Princesse de l’Este

Finanzsenatorin will Prinzessin werden

12. Mai 2011

„Lockt es nicht, Ministerpräsidentin zu werden?“ ARD tagesthemen

„In meinem nächsten Leben werd’ ich sowieso Prinzessin, das is’ noch viel schöner.“ Karoline Linnert (GRÜNE), Senatorin für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen

Karoline Linnert (Foto: Garitzko)

Monoman spontan: Besuch bei Theo und Emilie

10. Mai 2011

Vernunft sich ersann . .

Lieber Theodor,

in der Unruh Deiner Ruhestatt,
heut, an Deines Grabes Rand,
da stand und schwankt ich,
dacht hin, dann wieder her –
mit jedem Schwenk trug Es
sich höher, grub sich tiefer,
wog sich schwer – stiller
Verzweiflung heisre Schrei’
sich schrien, bis Vernunft
meiner sich ersann, Deiner
Worte Trost entliehn.

Ostprinzessin, 2011

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Die Frage bleibt

Halte dich still, halte dich stumm,
Nur nicht forschen, warum? warum?
Nur nicht bittre Fragen tauschen,
Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.
Wie es dich auch aufhorchen treibt,
Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.

Theodor Fontane, 1888

Erhabe Dich Seiner . .

Man beachte auch die Analogie bzgl. sich gegenübersitzender Dichter/Engelswesen.

fort . .

Mystisch: Raum-Zeit-Kontinuum-Spalte, vormals ‚Himmlischer Pfad‘.

2. Mai: Hurra, ich lebe noch

2. Mai 2011

Nachdem ich gestern den Schleier gelüftet, die rosarote Brille abgesetzt und meinem Staat ganz tief ins polizeiliche Auge gesehen hatte, da war ich plötzlich richtig verliebt – verliebt in den Gedanken, ohne ihn zu leben. Weitere Konsequenzen: Ich benötigte dringend einen Zauberstab, zwei Wasserwerfer und mindestens drei Wochen Kur. Eigentlich.

Für die ganz gewiss notwendigste Angstsituation meines bisherigen Daseins habe ich den paramilitärischen Einheiten unseres ach wunderschönen, aber seit jeher hässlich interpretierten Landes meinen tiefsten Dank auszusprechen. Denn Angst löst bei mir Schrei(b)blockaden. Ha ha, kleiner Scherz.

Plötzlich eingepfercht – vorne zu, hinten zu, Seiten zu, viel zu viele Menschen auf viel zu engem Raum – und von in Panik vor gepanzerter Gewalt und Gas fliehenden Hunderten an eine Hausfassade gedrängt zu werden, ist ein kollektives Vergnügen der Extraklasse, das sowohl einem beginnenden Wonnemonat als auch wirklich jeder Prä-, Post- und sonstigen Demokratie anno 2011 vollkommen angemessen und verhältnismäßig erscheint. Dann von kraftstrotzenden Robocops noch etwas fester mit den bislang ahnungslosen Anderen zusammengepresst zu werden – Atmen, by the way, wurde zur Glückssache -, überstieg selbst die Erwartungen der mitgefangenen Veteraninnen und Hartgesottenen; und das ist auch gut so, denn wer ist nicht gern mal überrascht!

Panisch aus der Menge gekämpft, so umsichtig wie möglich und so zupackend wie nötig, schließlich an Kesselrand und Polizeisperre angekommen, schallt es mir entgegen: „Vorne raus!“ Immerhin, die Staatsmacht hat Humor. Da hilft nur eins: Sich Flügel wachsen lassen. Syrien ist näher als man denkt.

Ostprinzessin

Auf dem Mariannenplatz: Gerlinde Schermer (SPD), Harald Wolf (LINKE)

Was ein Buhei: Ganz Berlin liebt den Kapitalismus, liebt die Polizei.

Chaos ordnet Struktur

29. April 2011

Im temporär bebilderten, abgedunkelten Schiff der Emmaus-Kirche in Kreuzberg, vor immerhin zwanzig Gästen – ein gelingendes Konzert voller Muße, Weile, Lebensklang, mal sanft, mal brausend und immer einer modernen Freistilmusik verpflichtet, in namhafter Qualität: Mit Weltrekordler Artus Unival, Klangkomponist Marten Mühlenstein, Sax- und Flötenfachkraft Susanne Bätz, Bassveteran Hartwig Nickola, Trommelpoet Uli Moritz, Bewegungs- und Stimmvirtuosin Monika Lilleike, Paul Schwingenschlögl u.v.a.

Konzert: AYA fraystyl musyk meets STEVE REICH “18 plus”.

struktur ist – chaos trifft auf struktur – struktur stört chaos – chaos ordnet struktur – und nun ?! chaos stört struktur – struktur ordnet chaos – und nun ?! chaos traf auf struktur und ging … – struktur blieb. da capo al fine … sine fine … wir tanzen den lebenstanz, singen das lebenslied, spielen das lebensspiel – ewiger walzer … – und wir sind … hier.

No passion at all: Johannes-Passion

22. April 2011

Sophienkirche, Berlin-Mitte: Die Johannes-Passion von Bach.

Mit ein paar stimmlich berührenden Glanzlichtern, recht braven Musikern und – o Jesus – einigen Fehlinterpreten, insgesamt dann doch unsympathisch bleibend, trotz passioniert liebreizender Begleitung an meiner Seite.