Comtess flieht die Spree hinunter

Was im Kinospot zur Kampagne Mediaspree Versenken bereits niedlich, süß und kulturell bewegend auf die Leinwand gezaubert wurde, fand gestern seine reale Entsprechung an den Spreeufern von Friedrichshain, Mitte und Kreuzberg: Mehrere hundert Menschen tanzten den auf Kreuzfahrt befindlichen Investoren-Vernetzerinnen auf der Nase herum und versperrten die Spree mit Klein- und Kleinstbooten, auf Luftmatratzen und aufblasbaren Krokodilen.

Die Entschlossenheit zu Wasser und zu Lande kannte kaum Grenzen, obgleich den auf den Spreebrücken Protestierenden die Polizei-Eingreiftruppen direkt im Nacken saßen. Von den Ufern wurden vereinzelt Wasserbomben auf die Spree-Comtess geworfen, obwohl auch dort Polizei patroullierte. Die Passagiere hatten sich ohnehin größtenteils unter Deck geflüchtet. Dort wurden sie von Christian Meyer, dilettantischer aber zäher Manager des Mediaspree e. V., in gewohnt vernebelnder Art und Weise (teil-) aufgeklärt. Der enorme Unmut, der den Vereinen und ihren Gästen hier bei ihrer herrschaftlichen Lügen-Butterfahrt entgegenschlug, erforderte sicherlich wieder eine neue Höchstleistung in puncto Erklärungsakrobatik.

Die Stimmung an Land war aggressiv, denn im vorliegenden Fall geht es um nicht weniger als die letzten innerstädtischen Bereiche, die von alternativer Kultur und kritisch denkender Bevölkerung gesäubert werden sollen, oder – nach dem Willen des Mediaspree e. V. – gerade noch als Staffage für den beliebten Eindruck des Szenigen herhalten sollen, als weicher Wirtschaftsstandortfaktor sozusagen. Ein am Osthafen neu entstehendes Großhotel z. B. wirbt mit eben diesem spannenden Umfeld, wie Peter Sauter, NDC-Projektentwickler, der Abendschau gegenüber äußerte. Die Schiffstour, die vom Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. organisiert wurde, in dessen Gremien sich erschreckend viele Personen befinden, die dem Berliner Filz zugeordnet werden müssen und die zum Teil Mitverantwortung im Berliner Bankenskandal tragen, hatte in Charlottenburg gewohnt mondän und unauffällig begonnen. Die Abfahrtszeit hatte man nach eigenen Angaben geheim gehalten. Offenbar hatte man gehofft, dass die Demonstrierenden, so überhaupt noch welche am Zielort in Friedrichshain und Kreuzberg sein würden, den Weg freigeben bzw. die Polizei eine Schneise schlagen würde. Zwar trat die Polizei nebst ihrer Zivilbullen denn auch tatsächlich gewohnt gewalttätig auf und hatte auch allerlei persönliche Drohungen parat, aber letztlich entschied man sich aufgrund des massiven Widerstandes dann doch dafür, der Comtess eine Umkehr zu empfehlen. Dem Regional-TV-Sender 7live gegenüber äußerte die Ostprinzessin:

„Auch mir wurde von einem Polizisten Gewalt angedroht, weil ich auf fünf Meter Entfernung angeblich das Abfilmen der Demonstrierenden durch das Schwenken eines Stückes Seidenstoff behindert habe. Ich akzeptiere solche Paparazzi-Aufnahmen nicht. (…) Was die Comtess angeht, so kam ihre Umkehr einer Flucht gleich. Das hat mich besonders gefreut, denn ich konnte die Comtess noch nie leiden.“

Am Schwarzen Kanal wurde zur Jubelbegrüßung der Möchtegern-Investoren ein Feuerwerk gezündet, in den Strandbars links und rechts der Spree ging es heiter und kraftvoll zu. Die Polizei, die immer wieder bemüht war, eine Absperrleine der im Wasser Protestierenden zu kappen, wurde von dort regelmäßig mit Pfeifkonzerten belohnt. Viele waren gekommen, mit Kind und Kegel. Während die Stimmung im unkommerziellen Projekt Yaam hervorragend war und blieb, kam es beim gegenüberligegenden Kiki Blofeld zu Verwerfungen: Zunächst verlangte man von allen Leuten Eintritt, dann wollte man ihnen die Getränke abnehmen. Letztlich erhielten Mitglieder und Sympathisanten der Initiative Mediaspree Versenken sogar „Hausverbot“. Der Geschäftsführer stellte sich als ein herbe Drohungen produzierender Zeitgenosse heraus – von Solidarität keine Spur: „Scheißegal“ sei ihm die Initiative.

Nun denn, dies brachte der heiteren Dynamik keinen Abbruch, zumal derzeit noch die benachbarten Grundstücke brach liegen und keiner kommerziellen Nutzung zugeführt sind. Dies aber wird sich nach dem Willen der Politik ändern und die Menschen werden auf einem bewachten und absperrbaren Uferweg prominieren dürfen, aber ansonsten aller Räume und Optionen auf Jahrzehnte hin beraubt sein. Allen vernünftigen Argumenten gegenüber scheint der Bezirk sich zu verschließen, wobei man gerade von GRÜNEN und LINKEN mehr Vernunft und Weitsicht erwartet hätte. Doch offenbar weiß man gar nicht oder will gar nicht wahrhaben, in welchem Bezirk man da so herrlich von oben herab regiert: Kreuzberg und Friedrichshain sind nicht Reinickendorf und Lichtenrade, hier hat sich eine Vielfalt alternativer Menschen, Strömungen und Projekte einen Platz gesucht, der in Europa nur wenige Vergleiche kennt. Mit ebendiesen Kräften und den weiteren Anwohnern zusammen sollte man in Kooperation gehen, die Entwicklung organisieren – im Grunde können und wollen sie die Entwicklung selbst organisieren. So viel Autonomie sollte man Menschen in einer vielfältigen Gesellschaft mindestens einräumen, zumal dann, wenn sie eine breite Unterstützung (über 16.000 Menschen) erfährt. Aber alternative Vorstellungen werden schlichtweg absorbiert, wo Profitinteressen der Immobilienwirtschaft ins Spiel kommen und sich die sinnleere Kommerzkultur (Beispiel O2 World) weiter ausbreitet.

„Wir verfolgen sie bis nach Hause!“

Zwei Abriss Activists nahmen dann noch die Verfolgung der Spree-Comtess auf – mit dem Fahrrad und einer deutlich sichtbaren Message in Form einer Fahne mit der Aufschrift „Mediaspree versenken“. Von vielen Brücken zwischen Friedrichshain und Charlottenburg grüßten sie die zum Teil freudig winkenden, zum Teil sichtlich verstörten, in jedem Fall aber aufgrund der permanenten Begleitung (an-) gespannten Passagiere. An den Zwischenstationen stiegen Journalistinnen und andere Passagiere aus. Es wurde erzählt, dass die Leute auf dem Schiff erschreckend uninformiert waren – und wohl auch blieben, denn was während der Begleitung vom Schiff her über die Lautsprechanlage zu hören war, klang sehr nach Desinformation. Auf Höhe von Mitte und Moabit wurde immer wieder mit Abneigung über moderne Architektur der 70er Jahre gesprochen. Man wünscht sich offenbar ausschließlich postmoderne Investorenarchitektur, gepaart mit Historismus à la Stadtschloss. Auch zu diesem Thema weht dem Senat durchaus ein kalter Mehrheitswind ins Gesicht, der aber ebenso professionell ignoriert wird wie der breite Widerstand in Kreuzberg und Friedrichshain.

Zum Ende hin begrüßten die Activists die Passagiere noch persönlich zurück an Land. Viele meinten, mit Floskeln wie „Sportliche Leistung“ Anerkennung zollen zu müssen. Nicht wenige hatten abstruse Vorstellungen davon, wer sie da verfolgt hatte. Auch die dumpfe Propaganda von Mediaspree e. V. und Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. hatte bereits Wirkung gezeigt: „Wissen Sie, das ist übrigens gar nicht so, wie Sie behaupten“, traute sich eine wohl situierte Dame den Activists entgegenzuhalten. All den Nonsens geradezubiegen, der ihnen seitens der Passagiere entgegenschlug, überforderte letztlich auch ihre Fähigkeiten. Die Dame übrigens lief dann 10 Sekunden nach ihrer kleinen Attacke beinahe vor ein Auto, weil sie unbedingt bei Rot flüchten gehen wollte.

„Hopfen und Malz verloren!?“

Eine Veranstalterin der Berliner Wirtschaftsgespräche e. V. sprach die Activists sichtlich getroffen und beleidigt mit den Worten an: „Sind Sie etwa auch der Zeitungsente aufgesessen, dass auf dem Schiff Investoren sein sollen?“ Was zunächst nach einer humorigen Einlage klang, entpuppte sich als purer Ernst, mit dem sie dafür sorgen wollte, dass ihre Kontrahenten mit dem unglücklichen Gefühl nach Hause gehen, die völlig Falschen begleitet zu haben. Jedoch bestätigten kurz darauf andere Passagiere, dass tatsächlich das vermutete Konglomerat an Investoren, Vernetzerinnen und deren Gästen an Bord gewesen war. Aber einige Passagiere wollten plötzlich alles sein, nur keine Investoren mehr. Offenbar wurde noch während der Fahrt eine interessante, mehrdimensionale Gehirnwäsche betrieben. Aber irgendwie muss man sein Schäfchen ja ins Trockene bringen, wenn der Widerstand sich formiert, die Leute, die „Hedonisten“ und die angeblichen, die vorgeblichen und die tatsächlichen „Autonomen“ einem derart entschlossen entgegentreten.

Wieder einmal wurde deutlich sicht- und hörbar, dass die in der Mehrheits- und Einheitskultur Erstickenden unterschiedlichen, mal mehr, mal weniger systematischen Desinformationsstrategien ausgeliefert sind und wenig bis gar nichts über die Gründe für steigende Mieten, soziale und ökologische Probleme, Vertreibung und Überwachung wissen (dürfen). Hierzu passend fragte dann zum Schluss eine Passagierin nach alternativem Informationsmaterial. Das erhielt sie sofort. Zuvor hatte sie erzählt, dass sie früher auch mal auf der anderen Seite gestanden habe. Zunächst blieb unklar, ob sie sich noch an die guten Gründe dafür erinnern konnte. „Es muss ja gebaut werden. Die Stadt muss ja wachsen.“ Diesem Wachstumsparadigma konnten jene Millionen von Quadratmetern leerstehender Büroflächen entgegengehalten werden, die sich schon heute links und rechts der Spree anhäufen. Allmählich bröckelte ihre Gewissheit. Der finale Dialog dann brachte es auf den Punkt, worum es beim Widerstand gegen Projektentwicklungen wie Mediaspree eigentlich geht:

Passagierin: „Aber da sollen doch auch Wohnungen gebaut werden!“
Ostprinzessin: „Für wen? Für mich nicht. Für Sie?“
Passagierin: „Nein, ich kann mir das bestimmt nicht leisten. Ich suche grad eine neue Wohnung, weil die alte zu teuer geworden ist.“

Genau das ist es. Und es ist an der Zeit, sich Gehör und Raum zu verschaffen.

Die Comtess wird blockiert...Die Comtess fleiht, die Ostprinzessin triumphiert...Die Ostprinzessin treibt die Comtess gen Westen...

Wer mögen wohl die Passagiere gewesen sein? Die.

Entspannt? Transgenialer CSD 2008

Ist der Christopher Street Day Fest- oder Kampftag, oder beides gar?

Der Transgeniale CSD wurde in diesem Jahr nicht nur vorher besonders laut totgeschwiegen, sondern auch danach. Dennoch oder gerade deshalb waren 4 der 7einhalb Abriss Activists dort und 3 von ihnen haben ihre Bilder zusammengetragen.

Mittendrin zumindest wurde nicht geschwiegen. In Ansagen wie „Hier sind wieder eure Lieblingsschwulen und eure Lieblingslesben“ wurden die Anwohner immer wieder aufgeklärt. Natürlich wurde auch auf transidente Personen und andere aufmerksam gemacht. Etwas weniger als in den Vorjahren, aber immerhin ein paar Tausend folgten dem Motto „Des Wahnsinns fette Beute. Gegen Vertreibung, gegen Diskriminierung, gegen Kommerzscheiße.“ Die demonstrative Parade begann traditionsbewusst am Neuköllner Hermannplatz, parallel zum unbarmherzig kommerzialisierten, regierungstreuen CSD, der jedes Jahr mehrere hunderttausend Menschen anzieht und der diesmal unter dem Motto „Hass du was dagegen?“ erstmals im Osten der Stadt (Anm.: Für die Veranstalter aus dem Westen ist die Mitte der Osten und der Westen die Mitte) startete, nämlich Unter den Linden.

Der transgeniale, kleinere, politischere CSD, auch „alternativer CSD“ oder „Kreuzberger CSD“ genannt, lässt traditionell über den Tellerrand hinausschauen (und -musizieren) und thematisiert seit Jahren regelmäßig auch Verdrängung, steigende Mieten und Stadtumstrukturierung.

„Thematisiert werden sollen unter anderem homophobe, transphobe und sexistische Übergriffe in Neukölln und Xberg einerseits, andererseits Gentrification im Neuköllner Reuterkiez.“

Die Kampagne „Mediaspree Versenken“ hatte ihre Wurzeln hier, die Wiege des Initiativkreises steht bei den Queeren. So wurde denn auch Demo-Fetischist Hans-Christian Ströbele gemahnt, zum Thema Mediaspree eine klare Position zu finden. Bislang fallen er und Heidi Kosche, die grüne Wahlkreisabgeordnete im Abgeordnetenhaus, durch ihre ausweichende bzw. ablehnende Haltung gegenüber dem Bürgerbegehren Spreeufer für Alle auf.

Die Polizei hielt sich in diesem Jahr weit mehr im Hintergrund als im vorangegangenen, in dem sie Teilnehmende beleidigte, schikanierte und sogar Personen festnahm. Die Moderatorin Fatma Souad führte den Demonstrationszug souverän zum Zielort am Kreuzberger Heinrichplatz, wo dann noch lange gefeiert wurde. Regenbogenfahnen sind beim Transgenialen CSD nicht so beliebt, kommen aber auch vor; eigentlich haben sie einen ganz wunderbaren Hintergrund bzw. mehrere.

Im Interview beim australischen TV-Wissenschaftsmagazin APPLIED LOGIC zeigte sich die Ostprinzessin empört:

APPLIED LOGIC: Are you a man or a woman?
O.:
No!

Und nun sprechen die Bilder.

Transgenialer CSD 2008 - Gegen Vertreibung, gegen Diskriminierung, gegen KommerzscheiÃ�e Trangenialer Wagen Moderatorin Fatma Souad Interkulturell gegen Faschismus und sowieso Oriental Temple Ein Haus in Neukölln zeigt Flagge für Homos 18 Jahre und kurz vor dem ersten Mal Christian Ströbele ...nebst bekröntem Bezirksparlamentarier Dirk Behrendt. Zuschauerin Die Fahne des queeren Widerstands Are you a man or a woman? - No Mit Regenbogenfahne... Mit Zitat von Sinéad OÂ'Connor Wir fordern 42 Prozent mehr Liebe Ein Traktor vom Schwarzen Kanal Lesben-Typen Du bist nicht allein Charlottenburg ist auch homophob - Gegen queeren Rassismus Demonstrierende ...auf einem Wagen. ...in der OranienstraÃ�e. Noch mehr... Zusammen... ...gegen Repressionen. Alienz - eine Parodie auf das Mediaspree-Projekt der Allianz Auch McDonald's ist nicht beliebt... Kaey Tering Still not love police Keine Schnüffler auf dem TCSD! Cops to the hell Policing is no job - Radical Queer is no hobby Punk auf Polizist Bierbäuchig(e)r am Heinrichplatz...

Bild 1, 12-34: Westmonster; Bild 2-7, 35: Ostprinzessin; Bild 8-11: Die andere Person

Zur Erinnerung: Transgenialer CSD 2007; Transgenialer CSD 2006.

Hilfe, die Flippers kommen

Fahrraddemonstration für Freiräume führt MediaSpree vor

Der großen Kiezradelei im MediaSpree-Gebiet schlossen sich unterwegs immer wieder weitere Radelnde an. An vielen Rädern wehten MediaSpree-Versenken-Fahnen. An der Ecke Cuvrystraße fand eine kleine „Der-Investor-Kommt-Performance“ statt. Die Tour führte von Kreuzberg nach Treptow und von dort über Friedrichshain nach Mitte. Unterwegs gab es immer wieder Redebeiträge zu den aktuellen Entwicklungen.

Helena Häfker von der Gruppe Die Spreepirat_innen sagte gegenüber einem bekannten Stadtmagazin: „Auf dem Weg sind wir auch einigen Bezirksabgeordneten begegnet. Die haben etwas betreten geguckt, vermutlich weil wir so viele sind. Gerade gestern haben sie beschlossen, das Bürgerbegehren Spreeufer für Alle abzulehnen. Na ja, nun gibt es am 13. Juli einen Bürgerentscheid. Beim Begehren haben ja schon in kurzer Zeit 16.000 Leute unterschrieben und bei der Demonstration vor ein paar Wochen waren 1.000 Leute dabei. Allmählich sollten auch die Grünen und die Linken begreifen, dass die Leute in Kreuzberg und Friedrichshain die Schnauze voll haben von dieser willkürlichen Stadtplanung, die so viel kaputtmacht, alles privatisiert und am Ende die Mieten unbezahlbar werden lässt! Deren Ignoranz kennt offenbar kaum Grenzen. Wir sind aber froh, dass die Fahrraddemo so gut gelaufen ist und möchten uns ganz herzlich bei den vielen bedanken, die mitgefahren sind und immer wieder laut Sprüche gegen MediaSpree und die Vertreibung gerufen haben! Wir waren laut und hoffentlich haben es viele Leute mitgekriegt!“

Zur Präsenz der Polizei sagte uns Spreepirat_in Mustafa: „Mit ihrem massiven Überaufgebot an Einheiten in paramilitärischer Kluft hat sich die Stadt abermals lächerlich gemacht! Jeden kleinen Supermarkt haben sie umstellt, obwohl wir ja überall in ein paar Sekunden dran vorbei geradelt waren. Ihrer eigentlichen Aufgabe sind sie oft gar nicht nachgegangen, der Autoverkehr konnte an vielen Stellen einfach so in den Demonstrationszug hineinrasen. Da sieht man mal wieder, wie die Prioritäten gesetzt werden. Und dann wundern sie sich, dass es Sprechchöre gegen sie gibt. Und die Leute bei Universal und MTV haben einfach blöd aus dem Fenster geguckt. Manche haben gepfiffen. Ob die wohl wenigstens begreifen, dass sich der Widerstand gerade auch gegen ihre Unternehmen richtet? Universal ist immerhin an der Wasser-Privatisierung beteiligt und MTV ist auch genau die Art von kommerzieller Verblödungskultur, die viele Leute hier einfach ablehnen!“

Weitere kleine Anekdoten gibt es hier in den Bildern 😉
Weitere Informationen zum vielfältigen Widerstand gegen MediaSpree auch hier: ms-versenken.org

Spreespeicher, Investoren und PunkPublikum Investoren stoßen an Ecke Cuvrystraße Massive Begleitung... Das Kapital ist gerüstet... querfeldein bei den Treptowers Trecker vom Schwarzen Kanal zeigt Flagge Mediaspree versenken – revolution is possible O2 World – Anschutz-Arena Udo Jürgens und ein DunkelgrünerHilfe, die Flippers kommen!

Der Lügenpfad

Nach dem Test ist vor dem Entscheid

Der in Friedrichshain und Kreuzberg von den verantwortlichen Politikern der „Grünen“, der „Die Linke“ und der SPD oft und gern gegen Mediaspree Versenken und insbesondere gegen das Begehren „Spreeufer für Alle“ ins Feld geführte „Uferwanderweg“ ist eine Farce. Auch heute war wieder das gewohnte Bild zu erleben: Wer nicht auf der Gästeliste von Universal Music* steht, darf den „Uferwanderweg“ nicht betreten, und zwar selbst dann nicht, wenn man ihn – wie auch einige andere bereits fertige Abschnitte des Weges – hinter den vielen Zäunen und verschlossen Toren endlich findet, denn hier feiert nur eine Gesellschaft, namentlich die geschlossene. Wer dennoch den Uferweg zu betreten gedenkt, darf sich über eine „freundliche“ Abweisung (nicht) wundern.

Geschlossene Gesellschaft am Spreeufer vor Universal Music

Geschlossene Gesellschaft am Spreeufer vor Universal Music*; ganz hinten im Bild (noch): Das Goldene Haus auf Stralau.

* Kleine Markenkunde: Universal Music Deutschland ist ein Unternehmen der Universal Music International Group – dem weltweiten Marktführer im Musikgeschäft. Zu den Labels von Universal Music zählen die bekanntesten Marken der Musikwelt: A&M, Decca, Urban, Def Jam, Deutsche Grammophon, Geffen, Interscope, Karussell, MCA, Island Mercury, Motown, Polydor, Polystar, Verve u. v. a.; die Universal Music International Group gehört zu Vivendi, dem weltweiten Medien- und Kommunikationsunternehmen mit Hauptsitz in Paris.

Für den Lügenwanderweg gilt also schon jetzt: Wer nicht ins Bild passt, wird vertrieben. Die Unken aus der Kreuzberger Manteuffelstraße unken es ja längst:

Media Spree vertreiben (sonst umgekehrt) - Wir wollen alle bleiben

Media Spree vertreiben! (sonst umgekehrt)

Der Lügenbezirk bekommt allmählich weiche Knie – so die Hoffnung. Der Senat suhlt sich derweil weiter im Lügenpfuhl seiner Politik des verdrängenden Stadtumbaus. In der ganzen Stadt finden sich indes die eindeutigen Aufforderungen, so auch in Schöneberg:

PallasT in Schöneberg - Mediaspree versenken

Mediaspree versenken! – am PallasT in Schöneberg

Und die Wut läuft mit

Nicht nur diesem Eisbär, dessen Geschwister einige Wände in der Stadt schmücken, missfällt die voranschreitende Verdrängung der derzeitigen Bewohner und der alternativen Projekte aus den Innenstadtbezirken. Auf Grund der „Mediaspree“-Planungen sind Friedrichshain und Kreuzberg in besonderem Maße betroffen.

Wir sind wütend! Und deshalb: Auf, auf zum Kiezspaziergang.

Der Kreis schließt sich – wir sind draußen

Wir bleiben alle – der Kapitalismus geht?

Für die einst in kapitalistischer Blütezeit, der sogenannten Gründerzeit, errichteten Mietwohnhäuser des Ostens, die dann u. a. mindestens eine Weltwirtschaftskrise, zwei Weltkriege und einen Kalten Krieg überstanden, dabei vom real existierenden Staatspartei-Sozialismus zunächst materiell und dann vom real existierenden Parteiendemokratie-Kapitalismus sozial und ideell zugrunde gerichtet wurden, schließt sich ein Kreis. Sie werden seit knapp 20 Jahren ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben: Der totalen Verwertung, der Rendite – jener Kunst, die aus Geld abermals Geld macht, um dann aus mehr Geld noch mehr Geld zu machen.

Die zugehörigen Prozesse tragen Namen wie Gentrifizierung und Verdrängungssanierung. In Prenzlauer Berg, genauso wie in Mitte und in Friedrichshain, haben sich nur wenige Häuser der Verwertungslogik entziehen lassen. Manche ereilt ihr kapitalistisches Schicksal spät, aber nicht weniger ungerecht und sozial, kulturell, städtebaulich, ja selbst touristisch verwerflich.

Ein Mieterkollektiv aus dem Herzen des Prenzlauer Berg zeigt nun für alle Flagge. Seit fünf Jahren gehe oder fahre ich an diesem relativ typischen Berliner Mietshaus fast täglich vorbei, schaue und bestaune, denke darüber nach, warum es etwas interessanter, echter, irgendwie beseelter aussieht. Hoffen wir, dass das Kollektiv Recht behält:

Wir bleiben alle!

Unser Haus im Helmholtz-Kiez wurde 2007 von der Profi Partner AG gekauft und soll nun totalsaniert und in Eigentumswohnungen aufgeteilt werden. Uns Mietern droht die Verdrängung und die Vernichtung unserer eigenen Sanierungsleistung. Dagegen wehren wir uns gemeinsam: Wir bleiben alle!

Wir freuen uns über Solidarität und Unterstützung, etwa durch Informationen zu Mieterrechten, zu Erfahrungen mit der Firma Profi Partner und ihren Untergesellschaften (GrundStein, REV, etc.) oder mit anderen Umwandlungssanierern.

Mieterkollektiv Göhrener Str. 1, Senefelderstr. 30-30a Wir bleiben alle

Rosa Rose rabiat rausgerissen

Der Nachbarschaftsgarten Rosa Rose in Friedrichshain wurde geräumt und verwüstet.

Verhaftungen, Schläge und Pfefferspray waren der Polizei recht und billig, um das Profitinteresse des Eigentümers gegenüber dem Gemeinwohl zu verteidigen. 30 uniformierte Staatsgewaltige trafen auf 30 Gärtner_innen. Den Zusammenstoß und das Drumherum dokumentiert hat die Aktionskünstlerin Ute Donner vom Palast der Liebe:

Video von der Räumung

Bereits am 27.02. hatten die duften Gärtner_innen im Bezirksparlament protestiert. Dort sahen sich die geneigten Bezirksverordneten von den GRÜNEN, der Die Linke und der SPD allerdings – abgesehen von blumigen Sonntagsreden-Resolutionen – nicht in der Lage, etwas zum Erhalt der Rosa Rose beizutragen.

Rosa Rosen im Bezirksparlament

Winke winke Mediaspree

Winke winke Mediaspree

Dazu ein aktueller Artikel über Initiative & Begehr und die enorme Resonanz.

Die Ostprinzessin äußerte sich gegenüber dem Magazin MediaMonopol : „Ich habe in den vergangenen Monaten mit hunderten Menschen über das Mediaspree-Projekt gesprochen. Besonders im Osten, am Boxhagener Platz, ist die Wut groß. Die vielen Stunden in der Kälte haben zwar einiges mir abverlangt, aber an manchen Tagen war dort alles wundervoll und inspirierend: die Gespräche, die Musik, das Wetter!“